siegburgaktuell 04.11.2026

Blatt im Mühlengraben
Siegburg. Der Herbst lockt Fotografen vor die Haustür. Es sind nicht nur Landschaftsaufnahmen, die in dieser Jahreszeit begeistern, sondern auch der Blick fürs Detail. So wie der von Michael A. Schmiedel. Er lichtete, auf der Ilse-Hollweg-Brücke stehend, zwei Spitzahornblätter auf einem Stein im Mühlengraben ab.

Wenn die Blätter von den Bäumen fallen
Siegburg. So schön die von den Bäumen gefallenen Blätter auch aussehen mögen: Im Straßenverkehr können diese für Gefahren sorgen. Bei Unfällen, die beispielsweise auf nasses Laub zurückzuführen sind, haftet, wer für die Reinigung zuständig ist. Wo und wie diese geregelt ist, erfahren Sie bei einem Blick in die entsprechende Satzung.
Wie im vergangenen Jahr wurden in Straßen, in denen besonders viel Laub anfällt und in denen die Anwohner für die Reinigung zuständig sind, erneut Sammelkästen (Foto) aufgestellt: Drei in der von Platanen gesäumten Wilhelm-Ostwald-Straße, zwei in der Dammstraße und je einer in der Ernststraße, der Alten Lohmarer Straße sowie der Steinbahn. Die Kollegen in Orange fahren die gesammelten Werke regelmäßig ab.
Wo die Kästen fehlen, entsorgen Sie den Baumabwurf in der Biotonne. Reicht diese nicht aus, können Sie zusätzliche Beistellsäcke erwerben. Wo, erfahren Sie hier. Wer die im Garten gefallenen Blätter auf Beeten liegen lässt, schützt den Boden und bietet Regenwürmern wertvolle Nahrung. Alternativ können Laubhaufen als Winterquartier für Igel und andere kleine Tiere angelegt werden.

... sahen die Menschen so aus
Siegburg. Begleitend zur Neukonzeption der vorgeschichtlichen Museumsabteilung erklärt Ulrich Hofmann in zwei Museumsgesprächen, wie der Mensch in die Geschichte unserer Region trat. Rückblick auf den ersten Teil:
Die Zeitreise beginnt in der ausgehenden Eiszeit, als ein Mann und eine Frau zusammen mit zwei Hunden im heutigen Bonner Ortsteil Oberkassel aufwändig bestattet werden. Nach der Bergung im frühen 20. Jahrhundert analysiert heute die moderne Forschung die verfügbaren DNA-Proben. Abgleiche weisen nach Afrika, von wo die Menschen vor 50.000 Jahren - immer wieder - nach Europa und in alle Welt aufbrechen.
Zurück zu unseren Oberkasselern, die vor circa 14.000 Jahren lebten. Wenige Generationen zuvor lagerten deren Vorfahren noch in Norditalien und folgten den Tierherden und dem zurückweichenden Eis bis an den Ausgang des Mittelrheins. Einer der mitbestatteten Hunde ist trotz oder gerade wegen schwerer Krankheit (Staupe) Mitglied der Gemeinschaft.
Mit der Erwärmung dehnen sich Nadel- und Laubgehölze nach Mitteleuropa aus, die Jäger passen sich an. Um 5.300 vor Christi Geburt wandern erste Bauern in das Rheinland ein. Ihre lange Siedlungsroute lässt sich vom westlichen Kleinasien über Ungarn und Stationen in Mainfranken und Südhessen nachvollziehen - gerechnet über Hunderte von Jahren. Archäologisch fassbar werden diese Pioniere im Rheinland durch eine Ausgrabung bei Niederkassel-Uckendorf im Jahr 2003.
Noch einmal zur Verdeutlichung: Der Ursprung der neuen Wirtschaftsweise des Nutzpflanzenanbaus und der Viehhaltung liegt im Vorderen Orient, die nach Europa aufbrechenden Gruppen starten im Westteil der Türkei vor 9.000 Jahren. Die Frühform der Landwirtschaft bringt Vorteile wie feste Häuser und planbare Bevorratung von Nahrung. Dem stehen neue Risiken gegenüber: Krankheiten beispielsweise, hervorgerufen durch Zoonosen. Die Ernährung ist schlecht für die Zähne. Karies tritt auf. Diese ersten Bauern und die ansässigen Jäger bleiben noch jeweils unter sich.
Ein starkes Anwachsen der Geburtenrate ist das Resultat des Wirtschaftswandels, bevor sich nach neuesten Forschungen um 5.000 v. Chr. eine rätselhafte Entwicklung abzeichnet. Hofmann: "Nach wenigen hundert Jahren findet diese erste Bauernkultur ein jähes Ende, was mit einem erheblichen Variabilitätsrückgang des männlichen Y-Chromosoms einhergeht." Dieser Befund, die errichteten Siedlungsbefestigungen sowie Massengräber zeichnen ein Bild der Gewalt.
Rücken wir ein kleines Stückchen vor auf dem Zeitstrahl. Zwischen 5.000 und 2.800 v. Chr. mischen sich die Bevölkerungsteile. Verschiedene Kulturen, die weiterhin das Feld bestellen und Tiere halten, wechseln sich ab - auch in unserer Gegend. Eine neuerliche Einwanderungswelle lässt sich beobachten. Hirten kommen an, die von den weiten Ebenen nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres aufgebrochen sind. Sie entstammen der Pontischen Steppe, vertragen Milch noch im Erwachsenenalter und führen das domestizierte Pferd ein. Ihre Gruppen bringen Vorläufer der heute von uns in Europa gesprochenen indoeuropäischen Sprachen mit.
Diese drei Komponenten - uralte Jägerverbände, Bauern aus Kleinasien und die Hirten aus der Steppe - bilden auf unserem Kontinent bis heute flächendeckend das gemischte DNA-Fundament. Diese seit mindestens zehn Jahren bekannte Feststellung über unseren gemeinsamen europäischen Bauplan gründet auf naturwissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen und entlarvt einmal mehr die NS-Vorstellung über eine germanische Herrenrasse als haltloses Geschwurbel.
Während der nachfolgenden Bronzezeit, im zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, rücken die Europäer aller Himmelrichtungen auf Basis des Fernhandels mit Zinnbarren aus Bergwerken in den fernsten Ecken des Kontinents zusammen. Hofmann: "Wir sehen eine erste Globalisierung, auch unter Einbeziehung des Mittelmeerraums."
Die Anwesenheit von Menschen an Rhein und Sieg ist in dieser Periode leider kaum nachweisbar, hingegen eine bleibende Siedungsdichte im Raum um die Moselmündung. Das Ganze ändert sich für unsere Umgebung schlagartig mit dem Auftreten neuer Kulturträger aus dem süddeutschen Raum während der ausgehenden Bronzezeit nach 1.200 v. Chr.
Was diese neuen Nachbarn zu uns führt und wie es bis zum Heranrücken des römischen Imperiums weitergeht, ist Inhalt des zweiten Teils, der Anfang 2027 zu hören sein wird. Das Bild ist KI-generiert.

Rundgang am Jahrestag der Reichspogromnacht
Siegburg. Am kommenden Montag, 9. November, jährt sich die Reichspogromnacht zum 88. Mal. In der Nacht auf den 10. November 1938 wurden im gesamten Deutschen Reich jüdische Geschäfte zerstört, Menschen auf offener Straße verprügelt, Synagogen in Brand gesteckt. Die Gewalttaten bildeten den Auftakt zur Shoa, der Deportation von Juden zur Vernichtung in den Konzentrationslagern.
Stadtführer Bertrand Stern begibt sich an diesem 9. November auf die Spuren jüdischen Lebens in Siegburg. Beginn ist um 14 Uhr mit einem Vortrag über die jüdische Religiosität und das jüdische Leben in Deutschland in der Aula des Stadtmuseums. Nach einer kurzen Pause werden dann Stätten jüdischen Glaubens und jüdischer Kultur in der Innenstadt besucht. Der Rundgang endet auf dem Jüdischen Friedhof an der Heinrichstraße. Hier werden die männlichen Teilnehmer gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Die Teilnahme kostet sechs Euro, Kinder bis einschließlich 14 Jahre zahlen die Hälfte. Anmeldung unter bs@bertrandstern.de oder +49 2241 53848.

"Hänsel und Gretel" im Stadtmuseum
Siegburg. Hänsel und Gretel sind die Kinder eines armen Besenbinders und seiner Frau. Die beiden vertreiben sich ihre Zeit gerne mit Spielen und Tanzen. Als sie dabei einen mit Milch gefüllten Krug umschmeißen, schickt die Mutter, die kaum noch weiß, wie sie ihre Familie satt bekommen soll, die Geschwister in den Wald, um Beeren zu sammeln. In ihrer Wut und Verzweiflung vergisst sie jedoch, wie gefährlich das ist - schließlich wohnt dort eine böse Hexe. So nimmt ein spannendes Abenteuer seinen Lauf, dem Familien bei einer Aufführung der Kölner Opernkiste am Sonntag, 6. Dezember, um 11.30 Uhr im Stadtmuseum, Markt 46, folgen können. Bei dem dargebotenen Stück handelt es um die Vertonung des weltbekannten Märchens der Brüder Grimm durch den in Siegburg geborenen Komponisten Engelbert Humperdinck, das Libretto stammt von dessen Schwester Adelheid Wette. Tickets sind an der Museumskasse erhältlich, Reservierung unter +49 2241 102-7410 oder stadtmuseum@stadtbetriebe-siegburg.de.

Tanzprojekt kommt zur Aufführung
Siegburg. "Lass dich nicht hängen!“ Den gutgemeinten Ratschlag, nicht aufzugeben, noch ein bisschen durchzuhalten, mit der Hoffnung, dass sich die Strapazen lohnen werden, kennen wir alle. Aber wie wäre es, einmal das Gegenteil zu tun? Sich hängen zu lassen, um einmal nicht zu müssen, abzuwarten, den Gedanken nachzugehen?
Ronja Frizen, zeitgenössische Tänzerin und Tanzpädagogin, studiert aktuell nebenberuflich den Master "Tanz - Forschung, Vermittlung und künstlerischer Praxis“ an der Deutschen Sporthochschule Köln. Für diesen Abschluss entwickelte sie das circa einstündige Bühnenstück "Hang:in' there" mit Gruppen aus der Tanzfabrik in der Lindenstraße. Dieses kommt am Sonntag, 15. November, in der Studiobühne im ehemaligen Kaufhof (Zugang über das Parkhaus Grimmelsgasse, Etage 6a) zur Aufführung. Die Nachmittagsvorstellung ist bereits ausverkauft, für den Auftritt um 12 Uhr können noch Tickets zum Preis von 15 Euro per Mail an tanzfabrik@gmx.de bestellt werden.

Vortrag über Stadt und Autor
Siegburg. Prag war um 1900 durchaus nicht das gemütliche k.u.k.-Reservat, das sich heutige Touristen gerne vorstellen. Die Hauptstadt Böhmens war geprägt von sich zuspitzenden nationalen Gegensätzen zwischen Tschechen und Deutschen, was vor allem die jüdische Bevölkerung in eine prekäre Lage versetzte. Aber auch das Tempo, mit dem eine Vielzahl technischer Innovationen innerhalb weniger Jahre durchgesetzt wurde, ließ bei vielen Bewohnern das Gefühl aufkommen, am Ende einer Epoche zu stehen. Sehr genau registrierte Franz Kafka die unheimliche Faszination dieser Herausforderung. Telefone, Diktiergeräte, nächtlich beleuchtete Straßen, elektrische Trams und nicht zuletzt Kinos veränderten auch seinen Alltag.
Dr. Reiner Stach studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Mathematik, mehrfach publizierte er zu Kafka. In einem Onlinevortrag der VHS spricht er am Donnerstag, 19. November, um 19.30 Uhr, über die Stadt und den Autor. Das Bild ist KI-generiert.

Orgelkonzert mit Novembermusik
Siegburg. Adolf Fichter spielt am Sonntag, 8. November, um 16.30 Uhr das letzte Konzert des 35. Siegburger Orgelzyklus in St. Servatius. Der langjährige Kantor und Begründer der Reihe lässt zum Monat passende Werke von André Raison, Johann Sebastian Bach, Josef Rheinberger, Jeanne Demessieux und Franz Liszts erklingen, gefolgt von einer abschließenden Improvisation. Der Eintritt ist frei, am Ausgang wird um eine Spende gebeten.

Anno-Gymnasium stellt sich vor
Siegburg. Das Anno-Gymnasium stellt sich von Mitte November bis in den Februar 2027 hinein zukünftigen Fünftklässlern in Schnupperkursen vor. In diesem Monat stehen Chemie, Physik und eine Europa-Challenge auf dem Stundenplan. Das komplette Programm gibt es unter www.anno-gymnasium-su.de. Es wird um Anmeldung unter +49 2241 102-6700 gebeten, wegen der großen Nachfrage kann jedes Kind an maximal drei Angeboten teilnehmen.
Hingewiesen sei zudem auf den Tag der offenen Tür am Samstag, 5. Dezember, ab 9 Uhr.

Trauer um Ursula Keusen-Nickel
Siegburg. Trauer in der Musikwelt: Im Alter von 93 Jahren verstarb am 21. Oktober die Cellistin, Dirigentin und Komponistin Ursula Keusen-Nickel. Zwei Jahrzehnte leitete sie die Musikschule St. Augustin, saß dem Regionalausschuss von "Jugend musiziert" vor, gründete und leitete neben dem Jugendsinfonieorchester ihrer Augustiner Heimat auch die Junge Symphonie Siegburg und den Verein der Humperdinckfreunde, unterrichtete zudem 38 Jahre an der Siegburger Musikschule.
Sie trat als Solistin in ganz Europa auf und führte die von ihr Angeleiteten immer wieder über die deutschen Grenzen hinaus zu Austauschen und Gastspielen mit europäischen Partnermusikern, wofür sie 1997 das Bundesverdienstkreuz erhielt. Keusen-Nickel, die in zweiter Ehe mit dem 2017 verschiedenen Siegburger Musikschulleiter Jost Nickel verheiratet war und drei Kinder aus erster Ehe hinterlässt, zeichnete sich durch außergewöhnliche Mehrsprachigkeit aus. Die gebürtige Düsseldorferin beherrschte neben Englisch die romanischen Sprachen Französisch, Spanisch und Italienisch und wandte sich zuletzt aufgrund der Siegburger Verbindung nach Bolesławiec/Bunzlau noch dem Polnischen zu.
Die Heilige Messe und anschließende Urnenbeisetzung finden am Freitag, 6. November, ab 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Martinus in St. Augustin-Niederpleis statt.

Verunreinigung weggeschaufelt
Siegburg. Ein Einsatz für die Siegburger Feuerwehr am gestrigen Dienstag: In der Alexianerallee hat ein defekter Pkw Öl verloren. Die etwa anderthalb Quadratmeter große Verunreinigung befindet sich jedoch nicht auf der Fahrbahn, sondern dem unbefestigten Straßenbankett. Daher wird die Untere Wasserbehörde hinzugezogen, in Absprache entscheidet man sich für ein Abtragen des Erdreichs. Etwa zehn Kilogramm werden weggeschaufelt.

Sanierung verzögert sich weiter
Siegburg. Seit Oktober 2025 wird die Brücke der B484 über den Rothenbach zwischen Siegburg und Lohmar saniert, Ende April diesen Jahres sollten die Arbeiten ursprünglich abgeschlossen sein. In einer aktuellen Pressemitteilung des Landesbetriebs Straßenbau wird nun angekündigt, dass die Einschränkungen bis Herbst 2027 andauern werden. Als Gründe für die Verzögerung werden "zusätzliche Kampfmitteluntersuchungen, unerwartete Baugrundverhältnisse sowie notwendige Überarbeitungen der Ausführungsplanung und Nachbesserungen bei einzelnen Bauarbeiten" genannt.

Stadtnachrichten online
Videos, Bilder, Informationen, oftmals direkt vom Ort des Geschehens: Wer die städtische Facebookseite Kreisstadt Siegburg oder den Instagram-Account kreisstadt_siegburg liked, der ist quasi mittendrin. Mehr zu spannenden Ausflugszielen und Freizeittipps für Klein und Groß erfahren Sie auf dem Instagram-Account visit.siegburg der Tourist Information.
Ihre Stimme zählt! Unter mitmachen.siegburg.de laden wir Sie herzlich ein, sich mit der Stadtverwaltung über anstehende Themen in Siegburg auszutauschen, Ihr Wissen und Ideen einzubringen oder an Umfragen und Beteiligungen teilzunehmen. Der Vorteil: Eine einmalige Registrierung reicht aus, um bei sämtlichen Projekten mitzumachen.

Mittwoch, 4. November 2026
10 bis 17 Uhr, Stadtmuseum, Markt 46:
Anno-Gymnasium: "Lemas-Geschichte(n)" (bis Sonntag, 29. November)
14 bis 17 Uhr, Café T.o.d., Nordfriedhof:
StrickCafé
14 bis 18 Uhr, Vorplatz der katholischen Kirche Liebfrauen, Antoniusweg 1:
Bauernmarkt
15 bis 17 Uhr, Stadtbibliothek, Griesgasse 11:
Häkel-Treff
15.30 bis 17 Uhr, Servatiushaus, Mühlenstraße 14:
Ökumenisches Trauercafé Jordan
17.30 Uhr, Wolsdorf:
Martinszug der GGS Wolsdorf
19 Uhr, Rhein Sieg Forum, Bachstraße 1:
"Bridgerton" - Konzert bei Kerzenschein (Foto)
Donnerstag, 5. November 2026
10 bis 17 Uhr, Stadtmuseum, Markt 46:
Anno-Gymnasium: "Lemas-Geschichte(n)" (bis Sonntag, 29. November)
14 bis 17 Uhr, Stadtmuseum, Markt 46:
Die Artothek hat geöffnet
15 Uhr, Caritas, Wilhelmstraße 74:
Trauergesprächskreis "Sonare" (Anmeldung unter +49 2247 9001365 oder sonare-baesch@t-online.de)
15.30 Uhr, Stadtbibliothek, Griesgasse 11:
Vorlesen lernen mit Caesar (Anmeldung über den Link)
18 Uhr, Rathaus, Nogenter Platz 10:
Ratssitzung
19.30 Uhr, Studiobühne im ehemaligen Kaufhof, Grimmelsgasse 4:
Chor.Klang.Bühne: ECHO Lohmar (ausverkauft)

Das aktuelle Kinoprogramm entnehmen Sie bitte den Webseiten von
Capitol, Augustastr. 20, Tel.: +49 2241 62288, https://www.capitol-siegburg.de und
Cineplex, Europaplatz 1, Tel.: +49 2241 958080, https://www.cineplex.de.
Mittwoch, 4. November, der 308. Tag in 2026
Wetter: Ein unspektakulärer Herbsttag.
Sonnenuntergang heute: 17.01 Uhr
Sonnenaufgang morgen: 7.30 Uhr
Monduntergang heute: 15.00 Uhr
Mondaufgang morgen: 3.02 Uhr

Reginhard (ab 1076 bis zum Tod am 4. November 1105 zweiter Abt des Siegburger Benediktinerklosters, unter seiner Anleitung entstand die Lebensbeschreibung des Heiligen Anno: "Vita sancti Annonis"; Reginhards Grab wurde 1934 in der Abteikirche wiederentdeckt, der althochdeutsche Name Reginhard bedeutet "Der im Rat Starke"; Foto: Patene aus Reginhards Grab in der Abteikirche, die runde Schale diente der Eucharestiefeier), auch: Reinhard; Karl (Borromäus, Kardinal und Erzbischof von Mailand, lebte von 1538 bis 1584, 1610 heiliggesprochen, Schutzpatron der Seelsorger, einst bei Pestepidemien angefleht).
Klabund (1890-1928), Schriftsteller, mit bürgerlichem Namen Alfred Hentschke; der Künstlername setzte sich aus Klabautermann und Vagabund zusammen, sein Märchenspiel "Der Kreidekreis" diente Bertolt Brecht als Vorlage für dessen "Kaukasischen Kreidekreis"; Stanley Cortez (1908-1997), amerikanischer Kameramann, verfilmte Horror-Klassiker wie "Die Nacht des Jägers" und "Der Glanz des Hauses Amberson"; Walter Cronkite (1916-2009), amerikanischer TV-Journalist, 19 Jahre Anchorman der "CBS Evening News" - "the most trusted man in America"; Cameron Mitchell (1918-1994), amerikanischer Schauspieler, mimte den Onkel Buck in "High Chaparall"; Alfred "Freddy" Heineken (1923-2002), niederländischer Biermogul; Harry Valérien (1923-2012), Sportjournalist, viele Jahre Moderator im "Aktuellen Sportstudio"; Bettina Wegner (1947), Liedermacherin ("Sind so kleine Hände"); Markie Post (1950), amerikanische Schauspielerin ("Ein Colt für alle Fälle", "Ghost"); Louis Figo (1972), portugiesischer Fußballspieler, Europas Fußballer des Jahres 2000; Carsten Lichtlein (1980), Ex-Handballtorhüter der Nationalmannschaft und bis zum Abstieg beim VfL Gummersbach, Karriereende bei GWD Minden, Rekordspieler der Bundesliga; Matthew McConaughey (1969), amerikanischer Schauspieler, Oscar für den besten Hauptdarsteller 2014 ("Dallas Buyers Club"), spielt in der Verfilmung des achtbändigen Fantasy-Epos "Der dunkle Turm" von Stephen King die Rolle von Walter/Der Mann in Schwarz; Elisabeth Seitz (1993), Kunstturnerin, 25-fache deutsche Meisterin, Europameisterin 2022 am Stufenbarren; Jahmai Simpson-Pusey (2005), der englische Innenverteidiger und U21-Nationalspieler ist mit der Rückennummer 22 für den 1. FC Köln aktiv.
1847: Felix Mendelssohn Bartholdy, der Komponist ("Italienische Sinfonie") stirbt 38-jährig in Leipzig; 1850: Gustav Benjamin Schwab, der Schriftsteller und Herausgeber der "Schönsten Sagen des klassischen Altertums" stirbt 58-jährig in Stuttgart; 1914: Georg Trakl, der österreichische Lyriker stirbt 27-jährig, fast wahnsinnig durch die Schrecknisse des Krieges, in einem Feldlazarett nahe Krakau an einer Überdosis Kokain; 1981: Jean Eustache, der französische Regisseur ("Die Mutter und die Hure") nimmt sich 42-jährig in Paris das Leben; 1982: Dominique Dunne, die amerikanische Schauspielerin ("Poltergeist") wird von ihrem Ex, dem sie frisch den Laufpass ausgestellt hatte, 22-jährig in Los Angeles erwürgt; 1982: Jaques Tati, der große französische Komiker, Schauspieler und Regisseur ("Monsieur Hulot") stirbt 74-jährig in Paris; 1995: Itzhak Rabin, der israelische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger wird 73-jährig von einem rechtsradikalen jüdischen Siedler in Tel Aviv ermordet; 2008: Michael Crichton, der amerikanische Schriftsteller ("Andromeda", "Twister", "Jurassic Park"), Regisseur ("Westworld", "Coma") und Produzent ("Emergency Room") stirbt 66-jährig in Los Angeles; 2011: Hans Benirschke, der Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von 1968 bis 1990 stirbt 86-jährig in Hamburg, der promovierte Historiker war für einen Journalisten bemerkenswert uneitel: "Nehmen wir unsere Aufgabe ernst, aber nicht uns selber!"; 2020: Ken Hensley, der britische Musiker, bis 1980 Keyboarder, Sänger und Songschreiber von Uriah Heep ("Salisbury", "Easy Livin", "Lady In Black") stirbt 75-jährig im spanischen Agost bei Alicante; 2024: Kiki Håkansson, die schwedische Schönheitskönigin, 1951 erste Miss World auf der World, stirbt 95-jährig in Kalifornien.
Vor 235 Jahren - 4. November 1791
In der "Schlacht am Wabash River" in Ohio erleidet die von General Arthur St. Clair geführte US-Streitmacht eine verheerende Niederlage gegen ein Bündnis von Indianerstämmen unter Führung von Little Turtle. Über 600 Soldaten sterben, dazu eine nicht näher bekannte, aber hohe Zahl von Marketendern und Frauen, welche St. Clairs Truppe begleiteten. Im Morgengrauen hatten die Indianer die an beiden Seiten eines Zuflusses zum Wabash lagernden Truppen angegriffen. Erst vier Jahre später erringen die US-Truppen in der Schlacht bei Fallen Timbers erstmals die Oberhand nach wechselhaften Kämpfen.
Vor 125 Jahren - 4. November 1901
Karl Fischer gründet in Berlin-Steglitz die Wandervogel-Bewegung. Eine Flucht in die Natur vor dem Druck der autoritären Gesellschaft und der Beginn einer Jugendbewegung.
Vor 115 Jahren - 4. November 1911
Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet - so ähnlich nimmt sich die Nummer aus, die Kaiser Wilhelm II. mit dem Marokko-Kongo-Abkommen beschließt. Darin erkennt das Deutsche Reich die Vorherrschaft Frankreichs über Marokko an, das im Gegenzug auf ein bisschen Kongo verzichtet. Nach der Einnahme von Fez durch französische Truppen hatte das Deutsche Reich im Sommer das Kanonenboot "Panther" nach Agadir gesandt, mit Truppen die Stadt besetzt. Die wilhelminische Presse feierte den "Panthersprung" und gab sich nationalbesoffen wie die "Rheinisch-Westfälische": "Hurrah! Eine Tat! Es wird wie ein jubelndes Aufatmen durch unser Volk gehen. Der deutsche Träumer erwacht aus zwanzigjährigem Dornröschenschlaf. Endlich eine Tat, eine befreiende Tat, die den Nebel bittersten Missmutes in deutschen Landen zerreißen muss." Zahlreiche Bodenschätze machten Marokko zum Objekt der europäischen Begierde. Der Marokko-Kongo-Vertrag stellt letztlich ein Fiasko für die deutsche Politik dar. Das Verhältnis zu Frankreich bleibt gespannt, die Rüstungsspirale dreht sich.
Vor 70 Jahren - 4. November 1956
Mit Panzern und der Luftwaffe: Die Sowjetunion überfällt Ungarn. Damit beginnt die blutige und brutale Niederschlagung eines Volksaufstands, bei der bis zur Monatsmitte rund 2.500 Ungarn sterben werden. 300.000 Menschen hatten knapp zwei Wochen zuvor in Budapest für Reformen und das Ende der kommunistischen Diktatur demonstriert. Imre Nagy, ein Reformkommunist, wurde Regierungschef, wollte eine parlamentarische Demokratie mit Mehrparteiensystem. Am 1. November kündigte er die Mitgliedschaft Ungarns im Warschauer Pakt. Jetzt schlägt das Sowjet-Imperium zurück. Nagy wird verhaftet, monatelang gefoltert und dann gehängt. Erst 1989 wird er rehabilitiert. Ein Denkmal Nagys in der Landeshauptstadt wird 2018 jedoch wieder entfernt. So will es der seinerzeitige rechtsradikal-antidemokratische Regierungschef Viktor Orban. Der Autokrat betrachtet Nagy nicht als Kämpfer für die Freiheit, sondern nur als Kommunisten.

Vor 60 Jahren - 4. November 1966
1333, 1547, 1557, 1844 - Jahreszahlen, die für Flutkatastrophen in Florenz stehen, doch 1966 übertrifft alles bisher Dagewesene: Der Arno tritt über die Ufer, wälzt Schlammmassen in die Hauptstadt der Toskana, vernichtet historische Kunstschätze in unermesslicher Dimension. Noch schlimmer: Menschen sterben. Wie viele, das verschweigen die Behörden! Erst später, viel später, um die Jahrtausendwende, enthüllt eine Kommission unter Vorsitz des Journalisten Franco Mariani Dokumente, die zeigen: 34 Menschen, 17 im Zentrum, 17 in umliegenden Gemeinden, fanden den Tod.
Vor 25 Jahren - 4. November 2001
Weltpremiere von "Harry Potter und der Stein der Weisen" in London. Die Verfilmung des ersten Bandes der Fantasy-Romanreihe von Joanne K. Rowling wird einer der erfolgreichsten Leinwandproduktionen aller Zeiten.
Vor 20 Jahren - 4. November 2006
Licht aus: Gegen 22.10 Uhr kommt es zu einem großen Stromausfall in Europa. Vom Blackout bis zu zwei Stunden betroffen sind Teile von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich und Spanien, sogar in Marokko hakt es. Insgesamt erwischt es zehn Millionen Haushalte. Ursache: Die geplante Abschaltung von zwei Hochspannungsleitungen, um im Emsland die Ausfahrt des in der Papenburger Werft gebauten Kreuzfahrtschiffes "Norwegian Pearl" zu ermöglichen. Kommunikationspannen und Kettenreaktionen führen zum Desaster.
Vor 15 Jahren - 4. November 2011
Die rechtsextremen Terroristen Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos werden nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach von der Polizei in einem Wohnmobil aufgespürt. Laut BKA-Ermittlungen erschießt Mundlos in auswegloser Lage - offenbar abgesprochen - Bönhardt, legt Feuer im Mobil und tötet sich dann selbst. Gegen 15 kommt es in Zwickau in einer Wohnung zu einer Explosion, die das Gebäude in Brand setzt. Dort wohnt Beate Zschäpe. Mit dem Feuer will sie Spuren vernichten. Sie verschickt ein Bekennervideo. Jetzt geraten die Abgründe eines Terrornetzwerks des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) in die Schlagzeilen und Deutschland ist schockiert: Zwischen 2000 und 2009 ermordeten die Neonazis aus rassistischer und fremdenfeindlicher Gesinnung neun Migranten, erschossen eine junge Polizistin, verübten 43 Mordversuche, über ein Dutzend Raubüberfälle und drei Sprengstoffanschläge, einen davon in Köln. Das Umfeld der Terroristen wird auf bis zu 200 Personen geschätzt. Im Juli 2018 wird Zschäpe vor dem Oberlandesgericht München zu Lebenslang verurteilt, vier Helfer erhalten Haftstrafen.

Vor 115 Jahren - November 1911
"Infolge der vielfachen Klagen über die schlechte Zugverbindung auf der Aggertalbahn ist die Stadtverwaltung wiederholt bei der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Elberfeld vorstellig geworden. Die dringend ausgesprochenen und eingehend begründeten Wünsche der Bürgerschaft in bezug auf Verbesserungen sind bisher jedoch unberücksichtigt geblieben oder abschlägig beschieden worden. Infolgedessen hatte die Stadtverwaltung sich sowohl an den Herrn Regierungspräsidenten zu Köln als auch an die Handelskammer zu Bonn mit der Bitte um Behebung der Uebelstände gewandt. Letztere hat jetzt zu der Angelegenheit in einer Eingabe an die Königliche Eisenbahn-Direktion zu Elberfeld energisch Stellung genommen und es steht zu erwarten, dass die allgemein bekannten und vielfach gerügten Misstände in bezug auf die Verkehrsgelegenheit der Aggertalbahn, durch die namentlich die Geschäftswelt der Kreisstadt Siegburg hart geschädigt worden ist und wird, endlich beseitigt werden kann." (Kreisblatt)
Foto: Haltestelle Nordbahnhof in der Kronprinzenstraße, 1912.

Vor 110 Jahren - November 1916
"Auf der hiesigen Geschoßfabrik hatte sich ein Mann durch missliebige Redensarten über den Krieg und die Kriegsanleihe hervorgetan. Er wurde entlassen und von dem Kriegsgericht zu Köln mit 2 Monaten Gefängnis bestraft." Foto: Die Geschossfabrik an der Wilhelmstraße um das Jahr 1883.
Vor 110 Jahren - November 1916
Es ist Weltkrieg- und Militärs haben Schwierigkeiten mit dem Weitblick. Amtliche Bekanntmachungen:
"Ich verbiete den An- und Verkauf, Tausch sowie jede andere entgeltliche oder unentgeltliche Übereignung von Prismenfernrohren aller Art, Ziel- und terrestrischen Ferngläsern aller Art, Galileischer Gläser mit einer Vergrößerung von 4mal und darüber sowie der optischen Teile aller vorgenannten Gläser, auch wenn sie im Privatbesitz sind. Ich verbiete den Verkauf von Objektiven für Photographie und Projektion, deren Lichtstärke bei einer Brennweite von mehr als 18 cm größer oder gleich 1:6,0 ist, auch wenn sie im Privatbesitz sind. Die erwähnten Ferngläser dürfen an Heeresangehörige veräußert oder übereignet werden gegen Vorlage eines mit Stempel und Unterschrift versehenen Bescheinigung ihres Truppenteils, dass die Ferngläser zum Dienst bei der Truppe bestimmt sind, von Zastrow, Generalleutnant und Gouverneur der Festung Cöln."

Vor 80 Jahren - 4. November 1946
Brot fehlt, über die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung berichtet Oberkreisdirektor Josef Clarenz. Die Situation sei "sehr ernst". Für knapp 200.000 Einwohner benötige der Siegkreis 24.000 Tonnen Getreide jährlich. Nur die Hälfte davon sei gesichert. Viel Getreide bliebe ungedroschen, weil die Maschinen fehlten. Auch die Versorgung der Menschen mit Gemüse sei fast zusammengebrochen. Clarenz: "Wir leben von der Hand in den Mund." Die Mitglieder des Kreistags nehmen den Lagebericht "mit sichtbarer Erschütterung", wie Zeitzeugen überliefern.
Auf Anordnung der Militärregierung werden Kohle und Brikett nicht zugeteilt für den Hausbrand, nur Brennholz darf für den heimischen Ofen verwendet werden. Holz ist vorhanden, doch die Einschlagstellen in den Wäldern liegen bis zu 40 Kilometer von Siegburg entfernt. Es fehlt der Treibstoff, um die geschlagenen Stämme zu transportieren. Für Pferde gibt es kein Futter. Eine Abwärts-Spirale: Das Holz fehlt jetzt den Bäckereien und Metzgereien, um den Betrieb zu sichern. Auch Schulen erhalten keinen Brennstoff, ebenso Theater und Kinos.
Tage später steht auch die Sitzung des Siegburger Stadtrats unter der düsteren Vorschau auf einen Winter des Hungers und der Kälte. Alle Fraktionen erklären, angesichts der Umstände keine Verantwortung mehr übernehmen zu können. Foto: Einsetzung des ersten Oberkreisdirektors (OKD) nach dem Krieg, Josef Clarenz, durch die britischen Besatzungsbehörden im Jahr 1945. Erst amtierte Clarenz, ein Siegburger (1886-1972), als Landrat, dann bis 1959 als OKD.

Vor 55 Jahren - November 1971
Die Produktion des berühmten Siegburger Abteilikörs - Frater Ansgar freut sich über neue Technik in den Kellergewölben des Klosters auf dem Michaelsberg. Eine Maschine füllt jetzt pro Stunde 400 Flaschen mit dem bernsteinfarbenen und nach Geheimrezept gebrauten Kräutertrank ab. In mittelalterlicher Handarbeit schafften die Benediktiner bislang gerade mal 300 Pullen am Tag. Nicht nur Zeit, Arbeit und Kosten spart das neue Verfahren, sondern auch Alkohol: Weil direkt aus den Fässern gezapft wird, verdunstet nicht mehr so viel wie bei der mühsam-langwierigen Handabfüllung.

Vor 5 Jahren - 4. November 2021
Vor anderthalb Jahren wurde er angesichts dramatischer Bilder aus Wuhan und Bergamo angeschafft, gestern ging er zurück zum Entleiher. Ein Autokran hob den Kühlcontainer, zu Beginn der Corona-Pandemie angemietet, auf einen niederländischen Sattelschlepper. Der temporären Anschaffung zugrunde lagen unter anderem die besonderen Auflagen für den Umgang mit Corona-Toten.

Vor 5 Jahren - 4. November 2021/1
Verurteilt wegen "Rassenschande" - siegburgaktuell gedenkt der dramatischen Lebens- und Liebesgeschichte von Heinrich Kistner und Ruth Salomon. Auch Siegburg ist Schauplatz:
Westercelle, heute ein Stadtteil von Celle in Niedersachsen. Hier erblickt am 10. Oktober 1909 Heinrich Kistner in ärmlichen Verhältnissen das Licht der Welt. Der Vater arbeitet als Helfer in der Landwirtschaft, stirbt früh. Die Mutter ist Dienstmagd. Heinrich geht es nicht besser. Er schlägt sich als Hausdiener durch, jobbt als Messgehilfe beim Celler Tiefbauamt. In der Weltwirtschaftskrise wird er arbeitslos, bis er eine Stelle als Vertreter für Krankenversicherungen antritt, die ihn kreuz und quer durch den norddeutschen Raum führt.
120 Kilometer weiter nordöstlich, in Schwerin, kommt ebenfalls im Jahr 1909 Ruth Salomon zur Welt. Sieben Geschwister hat sie, der Vater lebt als Lotterieeinnehmer in bescheidenem Wohlstand. Jüdisches Kleinbürgertum. Ostern 1933, die Nazis sind zwei Monate an der Macht, beginnt die dramatische Liebesgeschichte. Heinrich hat geschäftlich in Mölln zu tun, wo er auf Ruth trifft. Es funkt sofort. Weil ihre Mutter Einwände gegen die Beziehung erhebt, bricht sie mit der Familie. Für immer. Auch für Heinrich gibt es kein Zurück in sein früheres Leben. Wohl um den negativen Konsequenzen eines 1932 vor dem Amtsgericht geleisteten Offenbarungseids aus dem Weg zu gehen, ändert er seinen Namen von Heinrich Kistner zu Heinz Kestner.
Nicht nur das Leben mit dem Pseudonym bereitet Stress. Die zunehmende antisemitische Gesetzgebung überschattet das Zusammensein. Der Druck wächst unaufhörlich. Von Anbeginn gibt es für "gemischte" Paare kein Kindergeld, kein Ehestandsdarlehen. Deshalb heiraten Ruth und Heinrich nicht. Das Gesetz zum "Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" tritt am 15. September 1935 in Kraft. Jetzt ist die Beziehung strafbar. Wie panisch hasten die Liebenden umher, leben unter anderem in Neustrelitz, Breslau, Oranienburg, Berlin, Stettin, bei Kiel, in Winsen/Luhe bei Hamburg, Hützel bei Soltau. Die 1934 und 35 geborenen Kinder Heinz und Maria melden sie als "Nachkommen von Heinz Kestner und Ehefrau" an. Foto: Am Mohriner See in Westpommern entstand im Sommer 1939 die unscharfe Aufnahme, die mit ziemlicher Sicherheit Ruth, Heinrich und Tochter Maria zeigt.
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Vor 5 Jahren - 4. November 2021/2
Trotz all dieser Ortswechsel kann Heinrich alias Heinz die Familie ernähren. Als er zum Jahreswechsel 1938/39 seine Anstellung verliert, fälschen sie Postsparbücher. Lange geht das nicht gut. Auf dem Postamt in Lüneburg klicken die Handschellen. Ruth, die Geld abheben will, wird abgeführt. Gendarmen holen beinahe zeitgleich Heinrich im Heideort Hützel ab. Die Kinder landen in einem Heim der Region. Sie sehen die Eltern nie wieder.
Nach der Verurteilung - die Prozesse laufen in Hamburg und Lüneburg - ist Ruth in der berüchtigten Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel ("Santa Fu") eingekerkert. Wahrscheinlich unmittelbar nach der Haftentlassung am 10. April 1941 schafft man sie ins Konzentrationslager. Sie stirbt am 24. März 1942 in Ravensbrück oder der Tötungsanstalt Bernburg. Es lässt sich nicht mehr mit Eindeutigkeit rekonstruieren.
Heinrich wird von einem Gefängnis zum nächsten gekarrt: Im Emslandlager sticht er Torf, im hessischen Rodgau sitzt er ein, wird vom Koblenzer Gefängnis zu strapaziösen Außenarbeiten herangezogen. Er lernt die Rheinbacher Zellen kennen, wird schließlich nach Siegburg verlegt. Der einst stattliche Mann magert bis auf die Knochen ab, bringt noch 56 Kilogramm auf die Waage. Über eine Schwefel-Kohlenstoffvergiftung gibt die Gefängnisakte Auskunft, was eindeutig auf einen Einsatz bei der Rheinischen Zellwolle hinweist. Die Krankendokumentation zählt außerdem einen offenen Unterschenkel, gelähmten Fuß- und Handgelenke und eingeschlagene Zähne auf. Er wird am 15. November 1943 - die Siegburger Anstalt ist übervoll mit politischen Gefangenen aus ganz Europa - entlassen. Sein erster Weg führt in die Heide, wo er sich am letzten Wohnort Hützel Auskünfte zum Verbleib der Kinder erhoff. Man sagt ihm, sie seien tot. Er siedelt sich im nahen Uelzen an, arbeitet als Lagerist.
Nach dem Krieg streitet er über ein Jahrzehnt um eine adäquate Entschädigung. Die Rehabilitierung gelingt nur teilweise. Insgesamt 4.650 DM bekommt er zugesprochen. Die Gesundheitsschadensrente, die man ihm erst zubilligt, wird 1954 wieder aberkannt. Die Verurteilung wegen der Fälschungen, ausgeübt unter den Repressionen der Diktatur, bleiben an ihm haften. Unglaublich: In Lüneburg befinden dieselben Richter über ihn, die ihn nur ein Jahrzehnt zuvor wegen Rassenschande verurteilt und sich mit voyeuristischer Wonne über sein Sexualleben ausgebreitet haben. Der Jurist Carl Emmermann, dem Kistner die Zuchthausstrafe zu verdanken hat, ist Vorsitzender der Entschädigungskammer! Kistner wird zum zweiten Mal zum Opfer - Opfer des großen Vergessens. Er stirbt am 17. Februar 1970 im Alter von 60 Jahren in Uelzen.
Warum wissen wir von seinem Schicksal, das auch Siegburg berührt? Die Anklageschrift der Lüneburger Staatsanwaltschaft, aufgefunden im niedersächsischen Staatsarchiv zu Hannover, brachte Peter Asmussen auf die Spur. Asmussen engagiert sich seit Jahrzehnten im Verband VVN, in der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes". Er recherchierte monatelang, trug die Lebensstationen des Paars Stückchen für Stückchen zusammen. Eine 80-seitige Schrift ist entstanden. Sie liegt dem Siegburger Stadtarchiv vor. Die hiesigen Hüter der Geschichte standen im E-Mail-Austausch mit Asmussen, unterstützten die Veröffentlichung. Auch mit der JVA-Verwaltung an der Luisenstraße korrespondierte der Lüneburger.
Der Ausflug in die schwärzeste Epoche der deutschen Vergangenheit hat wenigstens ein kleines Happy End. Heinz und Maria, die Kinder der Ruth Salomon und des Heinrich Kistner, leben lange in einem Kinderheim in Harber, Kreis Soltau. Dort ist Grete Hebenbrock zuständig, eine Heidjerin mit großem Herzen und einer Menge Mut. Als das Geschwisterpaar 1941 in ein anderes Heim verlegt werden soll, ahnt sie, was dort passieren könnte. Von einem befreundeten Arzt erwirkt sie eine Quarantäne für ihr Haus wegen einer angeblichen Diphterie-Ansteckung. Heinz und Maria überleben.
Mit internationaler Hilfe emigrieren die Geschwister zu Beginn der 1950er-Jahre. Heinz reist mit der "General Stewart" am 23. Oktober 1951 von Bremerhaven nach New York. Maria folgt ein Dreivierteljahr später. Ihre Ankunftsadresse in den USA ist Kilbourne, Wisconsin.
Autor Asmussen hat sich im Juni 2021 auf den Weg gemacht nach Harber, zu den Nachfahren der gütigen Kinderheimleiterin. Sie zeigten sich überrascht, dass jemand nach so langer Zeit noch etwas über das einstige Heim wissen will. Dann öffneten sie die Tür, deckten im Garten die Kaffeetafel und erzählten ...
Fotos: Der abgemagerte Heinrich Kistling als Häftling, aufgenommen dreieinhalb Jahre nach der Aufnahme oben, in Siegburg.
Für einen Besuch der Stadtverwaltung gilt: Erst hier Termin vereinbaren, dann vorbeikommen.
Tourist Information (+49 2241 102-7533 oder tourismus@stadtbetriebe-siegburg.de) und Stadtmuseum (+49 2241 102-7410 oder stadtmuseum@stadtbetriebe-siegburg.de), Markt 46, haben dienstags bis samstags zwischen 10 und 17 Uhr, sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet (die Tourist Information auch montags von 10 bis 17 Uhr). Die Stadtbibliothek, Griesgasse 11, kann dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr besucht werden, Inhaber eines Büchereiausweises erhalten darüber hinaus während der Open-Library-Zeiten (dienstags bis sonntags von 8 bis 10 sowie 17 bis 20 Uhr) Zugang.
Aktuelle Öffnungszeiten des Oktopus Freizeitbad, Zeithstraße 110, können hier abgerufen werden. Der Zugang zum Bad ist mit einem Online-Ticket möglich, das hier erworben werden kann. Sie können das Online-Ticket auch mit Hilfe der Kolleginnen und Kollegen im Eingangsbereich des Hallen- und Freibades sowie im Stadtmuseum am Markt erwerben. Im Stadtmuseum ist der Ticketverkauf mit Bargeld möglich, ansonsten nur bargeldlos mit allen digitalen Zahlungsmitteln einschließlich der IBAN. Zusätzlich können Schwimmbadtickets vor Ort auch mit dem Siegburg-Gutschein (Karte oder App) erworben werden.
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Zentraler Karten-Sperr-Notruf: 116116
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