ISEK Siegburg Innenstadt
Das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) Siegburg Innenstadt wurde erstmals am 11.04.2019 durch den Rat der Stadt Siegburg beschlossen.
Das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) Siegburg Innenstadt wurde erstmals am 11.04.2019 durch den Rat der Stadt Siegburg beschlossen.
Das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) ist das Ergebnis eines intensiven Bearbeitungs- und Beteiligungsprozesses unter Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, der lokalen Akteure und aller relevanter Fachämter der Stadtverwaltung. Es legt die Basis für die Aufnahme in das Stadterneuerungsprogramm (STEP) des Landes NRW und für die Beantragung von Städtebaufördermitteln.
Das ISEK bildet seit 2019 den strategischen Rahmen für die Entwicklung der Siegburger Innenstadt. Mit Unterstützung der Städtebauförderung von Bund und Land konnten seither zahlreiche Maßnahmen erfolgreich umgesetzt oder auf den Weg gebracht werden. Das ISEK verbindet dabei städtebauliche, soziale, kulturelle, ökologische und verkehrliche Entwicklungsziele zu einer ganzheitlichen Zukunftsstrategie für die Innenstadt.
Zu den bereits realisierten Projekten zählen unter anderem die Sanierung und Modernisierung des Rathauses, die Weiterentwicklung des Michaelsbergs als bedeutendes Wahrzeichen der Stadt, der Gemeinschaftsgarten an der Cecilienstraße als Teil des "Grünen Saums", Neugestaltung des Pariser Platzes vor dem Rhein-Sieg-Forum sowie die Aufwertung der Unterführung Mahrstraße. Weitere zentrale Projekte befinden sich derzeit in der Umsetzung oder Entwicklung. Hierzu gehören insbesondere die Entwicklung des Haufelds, die Erlebbarmachung des Mühlengrabens und des alten Friedhofes an der Johannesstraße, welcher zu einem "Leise-Park" umgestaltet wird.
Mit den noch anstehenden Maßnahmen, darunter die umfangreiche Sanierung der Holzgasse, die Umgestaltung der Kaiserstraße in Verbindung mit der Herstellung eines Stichwegs von der Ringstraße zur Burggasse und einer darunterliegenden geplanten Parkanlage und die weitere Ausgestaltung des Grünen Saums, wird der eingeschlagene Stadterneuerungsprozess konsequent fortgeführt.
Das ISEK verfolgt dabei das Ziel, die Siegburger Innenstadt dauerhaft als attraktiven Wohn-, Arbeits-, Bildungs-, Kultur- und Einkaufsstandort zu stärken und die hohe Lebensqualität für alle Generationen weiter auszubauen.
Ein integriertes Stadtentwicklungskonzept ist ein strategisches Planungs- und Steuerungsinstrument der Stadtentwicklung und ergänzt zunehmend die konkrete Bauleitplanung.
Es beruht auf einer ganzheitlichen Betrachtung eines städtischen Teilraumes bzw. eines Stadtquartiers, wie beispielsweise des innerstädtischen Teilraums. Mit seiner Hilfe können städtebauliche, funktionale oder sozialräumliche Defizite und Anpassungserfordernisse für einen Stadtteil aufgezeigt und bearbeitet werden.
Die integrierte Handlungsstrategie beruht auf einer Schwächen- und Potenzialanalyse. Neben einer Bestandsaufnahme enthält das Konzept die Beschreibung einer Gesamtstrategie und beschreibt wesentliche Handlungsfelder und Maßnahmen, die geeignet sind, die Gebietsentwicklung positiv zu beeinflussen. (Quelle: Städte- und Gemeindebund NRW)
Städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen, wie die in einem ISEK aufgenommenen Maßnahmen, können zum Teil durch Städtebaufördermittel subventioniert werden.
Dies setzt eine Bündelung von Maßnahmen voraus, die einer Förderung bedürfen, was wiederum der Stadt in Gänze zu Gute käme, da viele Projekte parallel entwickelt werden können. Seit dem Jahr 2008 sind integrierte Entwicklungskonzepte in Nordrhein-Westfalen eine verpflichtende Grundlage für alle Teilprogramme der Städtebauförderung.
Das Büro DSK (Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft) aus Bonn ist mit der Bestandsaufnahme und Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts beauftragt. Teilnahme und Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger an BürgerWerkstätten ist dabei sehr willkommen, um auch auf alltägliche innerstädtische Mängel und Berücksichtigungsaspekte in diversen Bereichen hinzuweisen, damit diese Aspekte im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Beachtung finden.
Die Holzgasse ist ein bedeutender Straßenzug der historischen Innenstadt von Siegburg. Sie schließt unmittelbar an den Markt an und führt leicht gewunden in Richtung Nordosten zum ehem. Stadttor, dem Holztor. Der im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Siegburg Innenstadt (ISEK, beschlossen am 11.04.2019) definierte Planungsraum umfasst darüber hinaus den anschließenden Abschnitt der Zeithstraße ab der Einmündung Kleiberg bis zur Grimmelsgasse.
Die attraktive Geschäftsstraße weist erhebliche Mängel auf. Diese umfassen insbesondere Defizite in der Barrierefreiheit, sanierungsbedürftige Oberflächen mit erheblichen "Stolperfallen", Verbesserungsbedarf der Infrastruktur und Aufenthaltsqualität. Des Weiteren sollen Aspekte wie Stadtklima und eine einladende Gestaltung berücksichtigt werden. Mit Blick auf die historische Bedeutung der Holzgasse, sollen der mittelalterliche Charakter und die jüdische Vergangenheit in die Planung einfließen, welche zusammen mit dem abwechslungsreichen Besatz mit lokalen Geschäften und Gastronomie einen wichtigen Identitätsort der Stadt bilden.
Die aus der umfangreichen Bürgerbeteiligung (Stadtspaziergänge, Infostände, Online-Beteiligung, Abendveranstaltung im Zeitraum Sep./ Okt. 2024) herausgefilterten folgenden Kernbotschaften flossen in die Entwurfsplanung ein.
Ebenso wurden die Erkenntnisse aus den umfangreichen Abstimmungen mit Trägern öffentlicher Belange, wie u.a. Feuerwehr, Ordnungsamt, Stadtbetriebe Siegburg AöR oder der Rhein Sieg Netz GmbH berücksichtigt. Entsprechend dem begrenzten zur Verfügung stehenden Raum musste aber teilweise eine Abwägung erfolgen, welcher Belang jeweils Vorrang haben sollte.
Entwurfsgedanke
Die Neugestaltung der Holzgasse orientiert sich am Erscheinungsbild der Innenstadt von Siegburg, soll jedoch gleichzeitig einen eigenen unverwechselbaren Charakter erhalten. Hierzu orientiert sich der Entwurf an den bereits im Stadtbild vertretenen Materialien und Ausstattungselementen.
Die Planung der Holzgasse erfährt eine Gliederung und Strukturierung, wodurch die Aufenthaltsqualität deutlich gesteigert werden kann, wenn gleichzeitig Nutzungskonflikte vermieden werden. Kernelement des Entwurfs ist ein durchgängiges Flanierband in Mittellage mit einer barrierefreien, gut begehbaren Oberfläche. Dieser Bereich ist von Einbauten und Sondernutzungen freizuhalten, sodass ein komfortabler Bewegungsraum für alle Nutzerinnen und Nutzer entsteht. Entlang der Gebäude sind Sitzmöglichkeiten, Abfallbehälter, Gastronomie und Warenpräsentation vorgesehen.
Ergänzend wird im Straßenraum skulptural auf die ehem. Mikwe, das jüdische Ritualbad hingewiesen und mit einem Trinkbrunnen kombiniert. Auch das Holztor soll im Straßenraum sichtbar werden.
Für mehr Aufenthaltsqualität und ein besseres Stadtklima ist auf der Südseite eine durchgehende Baumreihe geplant, deren Baumbeete u.a. über ein Rigolensystem mit (Regen-)Wasser versorgt werden können. In Kombination mit Sitzbänken und Bepflanzung mit Blüh-/und Grünpflanzen wird zum Verweilen eingeladen.
Begrünung/ Bäume
Die bestehenden Bäume in der Holzgasse wurden einer eingehenden Begutachtung unterzogen. Dabei zeigte sich, dass die ursprünglich gepflanzten Eichen für den engen Straßenraum langfristig ungeeignet sind. Sie benötigen viel Platz, sind pflegeintensiv und ihre Stabilität kann durch Bauarbeiten und Veränderungen im Boden beeinträchtigt werden. Zudem ist ihre verbleibende Lebensdauer begrenzt.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Bäume wurden bisher teilweise über undichte Leitungen mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Durch die anstehende Sanierung würde diese Versorgung wegfallen, was ihre Entwicklung zusätzlich beeinträchtigen könnte.
Daher wurde entschieden, neue Baumstandorte zu planen und besser geeignete, klimaverträgliche und schlank wachsende Baumarten zu pflanzen. Diese bieten mehr Zukunftssicherheit und lassen sich besser in den Straßenraum integrieren. Insgesamt wird die Zahl der Bäume im Planungsbereich von bisher 12 auf 18 erhöht – ein deutlicher Gewinn für Aufenthaltsqualität und Stadtklima.
Oberflächen / Barrierefreies Leitsystem
Die Holzgasse soll künftig durchgehend barrierefrei und komfortabel begehbar sein. Dafür sind hochwertige Pflasterflächen vorgesehen, die sowohl optisch ansprechend als auch langlebig und sicher sind.
Anstelle von Naturstein wird ein moderner Betonstein mit Natursteinoptik verwendet. Dieser ist kostengünstiger, robuster und ermöglicht eine technisch zuverlässige Verlegung. Auch wichtige Elemente wie ein taktiles Leitsystem für sehbehinderte Menschen lassen sich so besser integrieren.
Das barrierefreie Leitsystem wird bewusst an der Nordseite der Straße geführt. So werden Konflikte mit Rad- und Lieferverkehr vermieden und wichtige Querungen sind leichter erreichbar.
Zusätzlich wird versucht, auch Eingänge zu Gebäuden möglichst barrierearm zu gestalten. Wo es möglich ist, sollen Stufen reduziert oder vermieden werden.
Sondernutzungen
Die Nutzung des Straßenraums durch Gastronomie und Einzelhandel ist ein wichtiger Bestandteil für eine lebendige Holzgasse. Daher wurde dieser Aspekt sorgfältig geprüft und in die Planung integriert.
Alle bestehenden genehmigten Nutzungen wurden berücksichtigt. In einigen Bereichen entstehen sogar zusätzliche Flächen für Außengastronomie oder Warenpräsentation. Gleichzeitig sorgt die neue klare Aufteilung des Straßenraums dafür, dass diese Nutzungen besser organisiert sind und leichter eingehalten werden können.
Einschränkungen ergeben sich nur dort, wo bisher Flächen über die genehmigten Bereiche hinaus genutzt wurden. Insgesamt verbessert die Planung jedoch die Bedingungen für Gewerbetreibende: Flächen werden besser erreichbar, übersichtlicher und angenehmer nutzbar.
Das Ziel der Maßnahme ist die Aufwertung des Mühlengrabens und seines Uferbereiches im direkten Innenstadtbereich zu einem attraktiven und ökologisch hochwertigen Frei- und Erholungsraum. Das Wegenetz soll ausgebaut und teils neu angelegt werden, Flächen werden entsiegelt und neu begrünt und über große Sitzstufen soll ein direkter Zugang zum Wasser geschaffen werden. So wird dazu beigetragen, dass ein attraktiver Aufenthaltsbereich geschaffen wird, der sich in das Gesamtgefüge des "Grünen Saums" einbettet und darüber hinaus zur ökologischen Aufwertung der Innenstadt beiträgt.
Das Projekt war ursprünglich früher beabsichtigt umzusetzen, konnte jedoch aufgrund der noch ungeklärten Schnittstellen zu anderen Fördermittelgebern nicht bewilligt werden. Nach entsprechender Abstimmung und fachlicher Nachbearbeitung wurde das Projekt erneut beantragt. Mit der baulichen Umsetzung wurde im Herbst 2025 begonnen. Die Treppenanlage wurde Ende April 2026 fertiggestellt. Eröffnet und nutzbar wird die Treppenanlage allerdings erst nach Abschluss der weiteren Bauarbeiten im Park im Herbst 2026.
Durch den geplanten Verkehrsstich zwischen Burggasse und Ringstraße soll die Kaiserstraße vom derzeit noch kreuzenden Durchgangsverkehr entlastet werden, um so die Kaiserstraße im Eingangsbereich des Kaisercarrés und auch des Kaufhofs attraktiver zu gestalten. Die Verbindung wird über einen Steg realisiert, der die beiden Straßen miteinander verknüpft. Über den neu entstehenden Verkehrsweg soll die Zufahrt zu den östlich angrenzenden Straßen (Guardastraße, Orestiadstraße und Burggasse) erfolgen. Der Steg wird mit einer schmalen Fahrbahn ausgeführt, um den räumlichen Eingriff möglichst gering zu halten. Diese Gestaltung trägt zur Reduzierung des Verkehrsaufkommens bei und begünstigt gleichzeitig eine niedrige Fahrgeschwindigkeit auf dem Steg. In der Folge verringern sich sowohl der Schadstoffausstoß als auch die Lärmemissionen.
Die Fläche im ehemaligen Stadtgraben unterhalb des Stegs soll als qualitätsvoller kleiner grüner Park geschaffen werden, welche über eine Treppenanlage von Seiten der Burggasse und über eine Rampe von Seiten der Ringstraße zugänglich wird. Im Bereich der Maßnahme ist die mittelalterliche, ringförmig die Stadt Siegburg umschließende Stadtmauer in besonderer Höhe und Länge sichtbar. Ziel ist es die Mauer wieder in den Blick der Besucherinnen und Besucher zu rücken und erfahrbar zu machen. In Kombination mit der neu entstehenden Wegebeziehung wird unter dem Steg somit ein Ort geschaffen, der zum Verweilen und Erfahren des historischen Bereichs einlädt. Die vorbereitenden Arbeiten konnten Ende März beginnen. Die Errichtung des Stegs wird Ende 2026 abgeschlossen sein.
Das Plangebiet umfasst das Areal des Alten Friedhofs mit ca. 14.000 m², begrenzt durch die Johannesstraße im Süden, den Radweg im Westen und private Gärten im Osten und Norden. Der Park wird aktuell weniger zum Verweilen als vielmehr zum Spazierengehen genutzt. Ziel der Umgestaltung ist es, das Naturerleben und die Erholungsfunktion des Parks zu stärken. So wird der Alte Friedhof als Leise-Park für alle Generationen mit Sitzgelegenheiten, Bewegungs- und Spielmöglichkeiten entwickelt. Durch einen neuen Zugang von Seiten des Fuß- und Radweges und durch Neugestaltung des bestehenden Eingangs von der Johannesstraße wird der Park für die Bevölkerung besser erreichbar und präsenter. Bestehende Wegestrukturen werden beibehalten, um Eingriffe zu minimieren. Das ökologische Konzept umfasst die Anpflanzung von einheimischen Pflanzen, die Lebensräume für Kleinlebewesen bieten und den Baumbestand einbeziehen. Insekten-, Schmetterlings- und Vogelhäuser sowie Nistkästen fördern die Biodiversität. Alle noch vorhandenen Grabdenkmäler bleiben erhalten, um den Denkmalschutz zu wahren. Im Jahr 2024 wurde eine Landschaftsarchitektin mit der Planung beauftragt. Die landschaftsbauliche Umsetzung erfolgte nach Ostern 2026 und wird voraussichtlich im Herbst 2026 fertiggestellt. In dieser Zeit ist der Park für die Öffentlichkeit gesperrt.
Die Randbereiche der Siegburger Innenstadt weisen zahlreiche Grünflächen auf. Diese bilden ein fast vollständig geschlossenes Band um den Innenstadtbereich. Um diesen "Grünen Saum" wahrnehmbar zu machen, wurde das ATELIER ESSER, Ingenieure und Landschaftsarchitekten damit beauftragt, eine existierende Vorstudie zum "Grünen Saum" bis zur Entwurfsplanung weiter zu qualifizieren. Im Rahmen des Konzeptes wurden verschiedene Bereiche mit Aufwertungspotential identifiziert (z.B. Alter Friedhof, Alte Bahntrasse, Spielplatz und Gemeinschaftsgarten an der Cecilienstraße). Diese wurden oder werden noch aktuell im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) Siegburg Innenstadt aufgewertet und mithilfe kleinteiliger Maßnahmen mit bereits vorhandenen Grünstrukturen verbunden werden.