Mittwoch in der letzten Woche, nur ein paar Kilometer entfernt. Der Siegburger Geschichtsverein unterwegs im Landschaftspark Duisburg-Nord. Grün hat Grau abgelöst. Nur ganz in der Ferne qualmt es noch.
Die aktuelle Naturnähe ist de facto eine Rückkehr zu den Wurzeln. Sumpfig, mensch- und maschinenleer ist das Areal, das August Thyssen für seine großen Pläne zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Visier hat. Auf Thyssens Unternehmergeist geht die kombinierte Steinkohlenförderung und Roheisengewinnung zurück, die fortan die Region prägen. Die Entwicklung ist eng verflochten mit den politischen und militärischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts: Weltkriege, Aufrüstung und der Einsatz von Zwangsarbeit gehören ebenso zur Geschichte des Standorts wie die Neuordnung Europas nach 1945. Mit der Montanunion werden Kohle und Stahl einer europäischen Zusammenarbeit und Kontrolle unterstellt. Schon 1968 ist Schicht im Steinkohleschacht. Mitte der 1980er-Jahre kühlen die Hochöfen aus.
Heute erzählt der Landschaftspark eine andere Geschichte: die des Strukturwandels. Hochinteressant der Nutzungsmix aus Kultur, Sport, Natur und Technikschau. Ein ehemaliger Gasspeicher dient als Tauchturm, in dem Feuerwehrkräfte die Rettung aus einem versenkten Kleinflugzeug üben. Der Alpenverein verausgabt im Klettergarten. Das Open-Air-Kino zieht im Juli und August täglich 1.000 Besucher an. Zu den Filmeguckern kommen die Filmemacher. Die "Tribute von Panem" entstanden teilweise an der Emscherstraße. Für die Dreharbeiten von "Babylon Berlin" drängt sich die dystopische Kulisse geradezu auf.
Eindrucksvoll ist der Gang auf den Hochofen (Foto). Stockwerk für Stockwerk erschließen sich die Teilnehmer das gewaltige Konstrukt mit seinen tausend Düsen und sonstigen Zuführungen. Der Landschaftspark ist nicht nur geeignet für Geschichtsvereine. Wirtschaftsgeografen, Sozialwissenschaftler, Geologen, Biologen, Physiker und Chemiker kommen auf ihre Kosten. Biologen? Im Revier laicht die seltene Kreuzkröte. Ihr Habitat ist ein altes Betonbecken. Fledermäuse gibt es en masse. Eine Frage der Zeit, bis Hollywood für die nächste Batman-Fortsetzung anklopft ...

