Im Ersten Weltkrieg gab es Eiserne Kreuze als Auszeichnung für die Tapferkeit im Feld. Gleichzeitig existierten in der Heimat - auch für Siegburg sind sie via Zeitungsberichte überliefert - öffentliche Wohltätigkeitsveranstaltungen, bei denen Eiserne Kreuze entstanden. Dabei wurde ein Stück Holz mit Nägeln beschlagen. Die Bevölkerung stand Schlange, trieb nacheinander die Metallstifte in die Vorlage. Für jedes versenkte Nägelchen spendeten die Teilnehmer eine Summe x, die am Ende den Angehörigen von Gefallenen zugutekam. Wichtig war die Symbolkraft der Aktion. Mit jedem Nagel wuchs ein Panzer, der Wehrhaftigkeit und Durchhaltevermögen der Bevölkerung unter Beweis stellen sollte.
Vor wenigen Wochen erhielt das Stadtarchiv eine E-Mail von Janet Hartley aus London. Der emeritierten Geschichtsprofessorin der renommierten London School of Economics lag etwas schwer im Magen bzw. lastete schwer auf dem Dachboden. Ein Nagelungskreuz wie oben beschrieben, versehen mit dem Schriftzug "Für die Hinterbliebenen gefallener Helden der Stadt Siegburg". Nach kurzer Korrespondenz wurde das Kreuz auf die Reise über den Kanal geschickt, zurück nach Siegburg, wo es einst hergekommen sein muss. Wie aber geriet es nach England? Über einen Vorfahren.
Janet Hartley beschreibt ihren Opa mit folgenden Worten: "Mein Großvater Owen Jones war Berufssoldat, der Objekte aus seinen Einsatzgebieten sammelte, die meisten stammen aus Afrika und Indien. Das Eiserne Kreuz aus Siegburg befand sich in seinem Nachlass." Von einem in Australien lebenden Cousin erhält sie schließlich dieses Foto, das Owen Jones zeigt. Im Februar 1919 in Siegburg, wie am Bildrand vermerkt ist.
Nach Kriegsende im November 1918 und dem Abzug der zuerst eintreffenden Kanadier begann eine rund einjährige Besatzungszeit der Briten, ehe die Franzosen nach den Statuten des Versailler Vertrags von ihren Kriegsverbündeten übernahmen. Aus dieser Zeit stammt das Foto, dass Jones in unserer Stadt zeigt. Wie sein Leben verlief, ist dem militärischen Nachruf des Lancashire Regiments von 1964 zu entnehmen, den uns Hartley freundlicherweise ebenfalls zur Verfügung stellte.
"Mit großem Bedauern geben wir den Tod von Captain Owen Jones bekannt, der am 13. Oktober 1964 im Alter von 80 Jahren verstorben ist.
Er trat dem Regiment erstmals im Januar 1902 im 3. Milizbataillon bei. Im August 1903 verpflichtete er sich für den regulären Militärdienst und kam zum 1. Bataillon in Devonport. Sechzehn Jahre später, im Jahr 1919, wurde er zum Regimentsfeldwebel des 2. Bataillons befördert, nachdem er seit seiner Versetzung nach Mauritius im Jahr 1909 ununterbrochen in diesem Bataillon gedient hatte.
Während seiner Dienstzeit war er an zahlreichen Fronten im Einsatz. Er diente mit dem 2. Bataillon während des gesamten Ostafrika-Feldzuges. Dort zeichnete er sich in außergewöhnlicher Weise aus und erhielt die Military Medal für herausragende Tapferkeit, als er nach dem Tod seines Kompaniechefs das Kommando über dessen Kompanie übernahm.
Außerdem wurde er in den offiziellen Kriegsberichten erwähnt und von der französischen Armee 1918 mit der Médaille Militaire sowie dem Croix de Guerre der 1. Klasse ausgezeichnet.
Nach dem Krieg war er Regimentsfeldwebel des Bataillons in Tidworth, wo die Unteroffiziersmesse unter seiner Führung zu einer der besten der Garnison wurde. Am 21. August 1925 wurde er nach 22 Dienstjahren in den Ruhestand versetzt. Im Jahr 1940 trat er der Home Guard bei, erhielt ein Offizierspatent und bekleidete den Rang eines Captains (Hauptmanns). Er heiratete im Juni 1919 und hinterlässt seine Ehefrau Florence, zwei Töchter und einen Sohn.
Er war ein hervorragender Mann und ein äußerst treuer Kamerad des Regiments, der von allen hoch geachtet und geschätzt wurde. Wir alle werden ihn schmerzlich vermissen.“
Die letzten Worte sollen seiner Enkeltochter gehören. Sie verlor in diesem Jahr ihre Mutter, die im hohen Alter von 102 Jahren starb. Über ihren Tod erlangte das Kreuz erst Janet Hartleys gesteigerte Aufmerksamkeit. "Ich weiß, dass meine Mutter es nach Deutschland zurückschicken wollte, nicht zuletzt deshalb, weil sie das Land sehr mochte. Aber ich nehme an, dass sie den Städtenamen Siegburg nicht lesen konnte."

