Michaelsberg

Hausbesichtigung zur Jahrhundertwende

Siegburg. Das Haus Holzgasse 27 ist Anlaufpunkt jeder Stadtführung. Spannend ist das, was man nicht sieht, nämlich die vor mehr als drei Jahrzehnten im Keller entdeckte Mikwe. Das jüdische Ritualbad, in Betrieb genommen vor etwa 600 Jahren, erbrachte den Beweis dafür, dass es die Juden in Siegburg schon im ausgehenden Mittelalter geschafft hatten, an einen Siedlungsplatz innerhalb der Stadtmauern zu gelangen.
Da die Mikwe nach der archäologischen Dokumentation wieder verfüllt wurde, würden die Augen der Rundgänger, selbst wenn ihnen der Zutritt ins Haus gewährt würde, das religiöse Badebecken nicht entdecken können. Es müsste erst freigelegt werden. Vor dem Haus stehend, behelfen sich die Stadtführer mit Fotos aus den 1990er-Jahren.  
Während des Kurzbesuchs der New Yorkerin Emily Tabak Epstein, von dem wir gestern berichteten, stand das Mikwe-Haus selbstverständlich auf der Sightseeing-Liste. Durch die Stadt führte Andreas Remmel. Beide sind Nachfahren der Familie Feith, der die Immobilie gehörte, bis der Nazi-Mob an die Macht kam. 
Was kaum bekannt ist: Wir wissen ziemlich genau, wie es zur Blütezeit des Siegburger Judentums auf der Schwelle zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert in dem Haus aussah. Der Arzt Ernst Lyon (1890-1964), ebenfalls ein Spross aus der Feith-Familie, hat es aufgeschrieben. Von Köln kommend, war er immer wieder Gast im Elternhaus seiner Mutter. Lyon überlebte den Holocaust durch rechtzeitige Auswanderung nach Palästina und erinnerte sich als Senior im Jahr 1964 in einem Beitrag in den Heimatblättern an die Wohn- und Arbeitsstätte des Großvaters Abraham Feith (1826-1910). Interessant ist, dass die Bewohner nichts ahnten vom mittelalterlichen Schatz im Kohlenkeller.  
"Großvaters Haus, Holzgasse 27, war ein zweistöckiges Geschäfts- und Wohnhaus. Straßenwärts erstreckte sich ein großer Laden mit sauber geputzten Fenstern. Hinter den Spiegelscheiben lagen die Auslagen, die jede Woche neu dekoriert wurden. Die Eingangstüre führte direkt in den großen Verkaufsraum, der zu beiden Seiten eine Theke hatte. Die mit Textilwaren aller Art vollgefüllten Fächer befanden sich an den seitlichen Wänden. Vom Laden kam man zuerst in einen kleinen dunklen Zwischengang, von dem eine Stufe in die dahinter gelegene große Stube zur Privatwohnung führte, deren beide Fenster in den Hof schauten. Von dem Zwischengang gelangte man durch eine Falltüre in den Keller, in dem hauptsächlich Kartoffeln und Kohlen aufgespeichert wurden. Vom Nachbarhause war das Anwesen durch ein gepflastertes dunkles Gäßchen getrennt. Dies war zu schmal, um ein Gefährt durchzulassen; es führte in den Hof hinter dem Hause. Hier wurden die Kisten mit den Waren ein- und ausgepackt. Während des achttägigen Laubhüttenfestes stand dort die festlich geschmückte Sukka (Laubhütte). Sie war mit einem provisorischen Dach versehen, mit Zweigen bedeckt, durch die die Sterne sichtbar sein mußten. Vom Hofe gelangte man durch eine Türe in die Küche des Hauses und über eine holprige Steintreppe auf eine Anhöhe, die dem abfallenden Hange des Michaelsberges zugewandt war ..."
Spannend, nicht wahr? Wer den Artikel in Gänze lesen möchte, klickt unten auf den Downloadlink. Foto: Emily Tabak Epstein und Andreas Remmel vor dem sie verbindenden Haus in der Holzgasse. 

Siegburg. Das Haus Holzgasse 27 ist Anlaufpunkt jeder Stadtführung. Spannend ist das, was man nicht sieht, nämlich die vor mehr als drei Jahrzehnten im Keller entdeckte Mikwe. Das jüdische Ritualbad, in Betrieb genommen vor etwa 600 Jahren, erbrachte den Beweis dafür, dass es die Juden in Siegburg schon im ausgehenden Mittelalter geschafft hatten, an einen Siedlungsplatz innerhalb der Stadtmauern zu gelangen.

Da die Mikwe nach der archäologischen Dokumentation wieder verfüllt wurde, würden die Augen der Rundgänger, selbst wenn ihnen der Zutritt ins Haus gewährt würde, das religiöse Badebecken nicht entdecken können. Es müsste erst freigelegt werden. Vor dem Haus stehend, behelfen sich die Stadtführer mit Fotos aus den 1990er-Jahren.  

Während des Kurzbesuchs der New Yorkerin Emily Tabak Epstein, von dem wir gestern berichteten, stand das Mikwe-Haus selbstverständlich auf der Sightseeing-Liste. Durch die Stadt führte Andreas Remmel. Beide sind Nachfahren der Familie Feith, der die Immobilie gehörte, bis der Nazi-Mob an die Macht kam. 

Was kaum bekannt ist: Wir wissen ziemlich genau, wie es zur Blütezeit des Siegburger Judentums auf der Schwelle zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert in dem Haus aussah. Der Arzt Ernst Lyon (1890-1964), ebenfalls ein Spross aus der Feith-Familie, hat es aufgeschrieben. Von Köln kommend, war er immer wieder Gast im Elternhaus seiner Mutter. Lyon überlebte den Holocaust durch rechtzeitige Auswanderung nach Palästina und erinnerte sich als Senior im Jahr 1964 in einem Beitrag in den Heimatblättern an die Wohn- und Arbeitsstätte des Großvaters Abraham Feith (1826-1910). Interessant ist, dass die Bewohner nichts ahnten vom mittelalterlichen Schatz im Kohlenkeller.  

Großvaters Haus, Holzgasse 27, war ein zweistöckiges Geschäfts- und Wohnhaus. Straßenwärts erstreckte sich ein großer Laden mit sauber geputzten Fenstern. Hinter den Spiegelscheiben lagen die Auslagen, die jede Woche neu dekoriert wurden. Die Eingangstüre führte direkt in den großen Verkaufsraum, der zu beiden Seiten eine Theke hatte. Die mit Textilwaren aller Art vollgefüllten Fächer befanden sich an den seitlichen Wänden. Vom Laden kam man zuerst in einen kleinen dunklen Zwischengang, von dem eine Stufe in die dahinter gelegene große Stube zur Privatwohnung führte, deren beide Fenster in den Hof schauten. Von dem Zwischengang gelangte man durch eine Falltüre in den Keller, in dem hauptsächlich Kartoffeln und Kohlen aufgespeichert wurden. Vom Nachbarhause war das Anwesen durch ein gepflastertes dunkles Gäßchen getrennt. Dies war zu schmal, um ein Gefährt durchzulassen; es führte in den Hof hinter dem Hause. Hier wurden die Kisten mit den Waren ein- und ausgepackt. Während des achttägigen Laubhüttenfestes stand dort die festlich geschmückte Sukka (Laubhütte). Sie war mit einem provisorischen Dach versehen, mit Zweigen bedeckt, durch die die Sterne sichtbar sein mußten. Vom Hofe gelangte man durch eine Türe in die Küche des Hauses und über eine holprige Steintreppe auf eine Anhöhe, die dem abfallenden Hange des Michaelsberges zugewandt war ...

Spannend, nicht wahr? Wer den Artikel in Gänze lesen möchte, klickt unten auf den Downloadlink. Foto: Emily Tabak Epstein und Andreas Remmel vor dem sie verbindenden Haus in der Holzgasse.


Hilfe zur Barrierefreiheit

  • Allgemein

    Wir sind bemüht, unsere Webseiten barrierefrei zugänglich zu gestalten. Details hierzu finden Sie in unserer Erklärung zur Barrierefreiheit. Verbesserungsvorschläge können Sie uns gern über unser Feedback-Formular zukommen lassen.

  • Schriftgröße

    Um die Schriftgröße anzupassen, verwenden Sie bitte folgende Tastenkombinationen:

    Größer

    command
    +

    Kleiner

    command

    Größer

    Strg
    +

    Kleiner

    Strg
  • Tastaturnavigation

    Verwenden Sie TAB und SHIFT + TAB, um durch nächste / vorherige Links, Formularelemente und Schaltflächen zu navigieren.

    Verwenden Sie ENTER, um Links zu öffnen und mit Elementen zu interagieren.

  • Kontrastmodus

    Drücken Sie die folgende Tastenkombination, um den Kontrast zu verringern bzw. zu vergrößern:

    Vergrößern

    control
    option
    command
    .

    Verringern

    control
    option
    command
    ,
    Hinweis: Die Kurzbefehle müssen in den Systemeinstellungen des Betriebssystems aktiviert sein.

    Drücken Sie die linke ALT-TASTE + linke UMSCHALTTASTE + DRUCK, um den Modus für hohen Kontrast schnell ein- oder auszuschalten.

  • Farben umkehren

    Drücken Sie folgende Tastenkombination, um die Farbumkehrung ein- und auszuschalten:

    control
    option
    command
    8
    Hinweis: Die Kurzbefehle müssen in den Systemeinstellungen des Betriebssystems aktiviert sein.

    Aktivieren Sie zuerst die Bildschirmlupe und schalten Sie dann die Farbumkehrung mit folgenden Tastenkombinationen ein und aus:

    1. Bildschirmlupe

    +

    2. Farben umkehren

    Strg
    Alt
    I
  • Bildschirmlupe

    Drücken sie folgende Tastenkombinationen, um die Bildschirmlupe zu verwenden:

    Ein-/ausschalten

    option
    command
    8

    Ansicht vergrößern

    option
    command
    =

    Ansicht verkleinern

    option
    command
    Hinweis: Die Kurzbefehle müssen in den Systemeinstellungen des Betriebssystems aktiviert sein.

    Einschalten / Ansicht vergrößern

    +

    Ansicht verkleinern