Da die Mikwe nach der archäologischen Dokumentation wieder verfüllt wurde, würden die Augen der Rundgänger, selbst wenn ihnen der Zutritt ins Haus gewährt würde, das religiöse Badebecken nicht entdecken können. Es müsste erst freigelegt werden. Vor dem Haus stehend, behelfen sich die Stadtführer mit Fotos aus den 1990er-Jahren.
Während des Kurzbesuchs der New Yorkerin Emily Tabak Epstein, von dem wir gestern berichteten, stand das Mikwe-Haus selbstverständlich auf der Sightseeing-Liste. Durch die Stadt führte Andreas Remmel. Beide sind Nachfahren der Familie Feith, der die Immobilie gehörte, bis der Nazi-Mob an die Macht kam.
Was kaum bekannt ist: Wir wissen ziemlich genau, wie es zur Blütezeit des Siegburger Judentums auf der Schwelle zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert in dem Haus aussah. Der Arzt Ernst Lyon (1890-1964), ebenfalls ein Spross aus der Feith-Familie, hat es aufgeschrieben. Von Köln kommend, war er immer wieder Gast im Elternhaus seiner Mutter. Lyon überlebte den Holocaust durch rechtzeitige Auswanderung nach Palästina und erinnerte sich als Senior im Jahr 1964 in einem Beitrag in den Heimatblättern an die Wohn- und Arbeitsstätte des Großvaters Abraham Feith (1826-1910). Interessant ist, dass die Bewohner nichts ahnten vom mittelalterlichen Schatz im Kohlenkeller.
"Großvaters Haus, Holzgasse 27, war ein zweistöckiges Geschäfts- und Wohnhaus. Straßenwärts erstreckte sich ein großer Laden mit sauber geputzten Fenstern. Hinter den Spiegelscheiben lagen die Auslagen, die jede Woche neu dekoriert wurden. Die Eingangstüre führte direkt in den großen Verkaufsraum, der zu beiden Seiten eine Theke hatte. Die mit Textilwaren aller Art vollgefüllten Fächer befanden sich an den seitlichen Wänden. Vom Laden kam man zuerst in einen kleinen dunklen Zwischengang, von dem eine Stufe in die dahinter gelegene große Stube zur Privatwohnung führte, deren beide Fenster in den Hof schauten. Von dem Zwischengang gelangte man durch eine Falltüre in den Keller, in dem hauptsächlich Kartoffeln und Kohlen aufgespeichert wurden. Vom Nachbarhause war das Anwesen durch ein gepflastertes dunkles Gäßchen getrennt. Dies war zu schmal, um ein Gefährt durchzulassen; es führte in den Hof hinter dem Hause. Hier wurden die Kisten mit den Waren ein- und ausgepackt. Während des achttägigen Laubhüttenfestes stand dort die festlich geschmückte Sukka (Laubhütte). Sie war mit einem provisorischen Dach versehen, mit Zweigen bedeckt, durch die die Sterne sichtbar sein mußten. Vom Hofe gelangte man durch eine Türe in die Küche des Hauses und über eine holprige Steintreppe auf eine Anhöhe, die dem abfallenden Hange des Michaelsberges zugewandt war ..."
Spannend, nicht wahr? Wer den Artikel in Gänze lesen möchte, klickt unten auf den Downloadlink. Foto: Emily Tabak Epstein und Andreas Remmel vor dem sie verbindenden Haus in der Holzgasse.

