"Die Interessengemeinschaft hat die Berichterstattung über die auf der Wolsdorfer Kirmes gerufenen Nazi-Parolen mit großer Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Für uns steht unmissverständlich fest: Derartige Äußerungen sind mit den Werten unserer Gemeinschaft und den Grundprinzipien eines respektvollen Miteinanders unvereinbar. Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und jede Form menschenverachtender Ideologie widersprechen dem Selbstverständnis unserer Vereine und haben weder auf unserer Kirmes noch in unserer Gesellschaft einen Platz.
Gleichzeitig ist es uns ein besonderes Anliegen, die besonnene, verantwortungsbewusste und konsequente Reaktion der unmittelbar betroffenen Vereine - des Tambourcorps In Treue Fest und des Junggesellenvereins (JGV) Alt-Wolsdorf - hervorzuheben. Die Situation wurde unverzüglich aufgegriffen, klar eingeordnet und die notwendigen Schritte wurden eingeleitet. Damit haben die Verantwortlichen gezeigt, dass sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in vollem Umfang gerecht werden und den Werten von Demokratie, Toleranz und Menschenwürde verpflichtet sind. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten zunehmend von Polarisierung geprägt werden, ist eine solche Haltung von besonderer Bedeutung.
Die Wolsdorfer Kirmes ist weit mehr als eine traditionelle Festveranstaltung. Sie ist Ausdruck gelebter Gemeinschaft, generationenübergreifenden Engagements und eines außergewöhnlichen ehrenamtlichen Einsatzes. Jahr für Jahr investieren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger unzählige Stunden ihrer Freizeit, um ein Fest zu ermöglichen, das Menschen zusammenführt, Begegnungen schafft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Ohne dieses seit Jahrzehnten gelebte Engagement der Wolsdorfer Vereine - und insbesondere der vielen ehrenamtlich Tätigen in den veranstaltenden Vereinen - wäre eine solche Veranstaltung nicht denkbar.
Besonders wichtig ist uns in diesem Zusammenhang ein Blick auf den eigentlichen Geist unserer Kirmes. Seit mehr als vier Jahrzehnten beginnt das Kirmeswochenende mit der traditionellen Kranzniederlegung an der Hubertuskapelle (Foto). Gemeinsam mit den Vereinen, Institutionen und vielen Bürgerinnen und Bürgern gedenken wir dort der Opfer von Krieg, Terror und Gewalt. Zugleich werben wir für Frieden, Freiheit, Demokratie und eine tolerante Gesellschaft. Diese Werte prägen unsere Gemeinschaft und unser Selbstverständnis.
Unsere Vereine vereinen Menschen unterschiedlichster Herkunft, Generationen und Lebenswege. Der häufig verwendete Begriff des 'Migrationshintergrundes' spielt im Vereinsalltag keine Rolle. Was zählt, ist die Gemeinschaft. Wir gehören zusammen, wir halten zusammen und wir gestalten gemeinsam das gesellschaftliche Leben in unserem Stadtteil.
Deshalb sollten wir als Zivilgesellschaft nicht zulassen, dass ein einzelner, bedauerlicher Vorfall das Bild einer ansonsten friedlichen, offenen und gelungenen Veranstaltung bestimmt. Die vielen Besucherinnen und Besucher, die miteinander respektvoll gefeiert haben, die zahlreichen Ehrenamtlichen und die gelebte Gemeinschaft dürfen nicht in den Hintergrund geraten.
Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen, braucht es ein geschlossenes Miteinander. Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, menschenverachtenden Parolen entschieden entgegenzutreten und gleichzeitig die Werte zu stärken, die unsere Gemeinschaft tragen: Respekt, Toleranz, Vielfalt, Demokratie und Menschlichkeit. Die Interessengemeinschaft der Wolsdorfer Vereine 1966 e.V. steht gemeinsam mit allen angeschlossenen Vereinen und Institutionen unverändert für diese Werte ein."

