"Nicht nur mir dürfte aufgefallen sein, dass in unserer Gesellschaft und um uns herum das Miteinander bedroht ist", so Böttcher in seiner "Silvesteransprache", die wir hier gekürzt wiedergeben. "Hass, Wut und Hetze gegen Personen und Institutionen sind salonfähig geworden, ebenso wie das In-Zweifel-Ziehen von Wissenschaft und die Ablehnung all dessen, was uns die Aufklärung beschert hat.
'Miteinander wagen!' spricht davon, dass es ein Mittel gegen extremistisches Gedankengut gibt. Nämlich: Zusammenstehen bei aller Unterschiedlichkeit, vereint in humanistischen Werten und vereint durch das Grundgesetz. Als Kulturinstitution sehen wir uns in einer konkreten Pflicht. Wir sehen uns in der Pflicht, Menschen zusammenzubringen, Beziehungen zu knüpfen und für die Zeit eines Theaterabends eine gemeinsame Perspektive, nämlich die nach vorn auf die Bühne, zu schenken.
Präsident und Schauspieler Selenskyj hat neulich nach dem Angriff auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Kiewer Höhlenkloster durch das russische Militär gesagt: 'Ein Land ist mehr als sein Gebiet. Ohne Kultur bleibt es nur eine Fläche.' Erst dort, wo Menschen singen, erzählen, erinnern, streiten, feiern und einander begegnen, entsteht ein gemeinsamer Raum. Darum ist Kultur kein Zusatz, sondern der Schutzraum der Demokratie.
In 'Miteinander wagen!' steckt eine Störung. Warum wagen, wenn das Miteinander doch selbstverständlich ist? Weil Miteinander Zeit braucht, weil Miteinander Enttäuschung nicht ausschließt, weil Miteinander den Konflikt quasi beinhaltet - Miteinander kostet Energie, Entschlusskraft und Mut. Wie viel einfacher erscheint hingegen die Unabhängigkeit vom Anderen. Haben wir nicht alle zur Genüge erfahren, was Sartre meinte, als er schrieb: 'Die Hölle, das sind immer die anderen.' Für das Miteinander jedoch muss man seine Komfortzone des Alleinseins verlassen. Das tun wir mit unserem Motto und unserem Programm."
Doch was erwartet die Gäste der Studiobühne nun konkret in der im September beginnenden Spielzeit 2026/27? Mit "Stolz und Vorurteil* (*oder so)" und "Robin Hood" bleiben zwei der beliebtesten Stücke der abgelaufenen Spielzeit im Programm, mit "Atmen" die frisch angelaufene Erzählung eines Paars, das sich an der IKEA-Kasse die Frage stellt, ob man als verantwortlich lebende und ökologisch bewusst handelnde Menschen heute noch ein Kind in die Welt setzen darf. Auch "Dinner For One" kommt zum Jahresende erneut zur Aufführung. Fortgesetzt werden zudem die Ü59-Silber-Rock-Partys.
"Lysistrata" ist ein 2.437 Jahre alter und doch hochaktueller Text des Dichters Aristophanes. Darin stellen Frauen ihre Männer vor die Wahl: Sex oder Krieg!?
Nachdem die Polizei ihre Arbeit beendet hat, trifft "Der Tatortreiniger" auf absurde und skurrile Personen. Und - "Miteinander wagen!" - in der Pause geht der Fall weiter, denn dann kann das Publikum im Foyer an einem mörderischen Gesellschaftsspiel teilnehmen.
"All das Schöne" ist ein Monolog, in dem René Böttcher einen Mann verkörpert, der als Kind - an dem Tag, an dem seine Mutter das erste Mal versuchte, sich das Leben zu nehmen - damit begann, eine Liste der schönen Dinge zu erstellen, die seiner Mutter dabei helfen sollte, zu erkennen, warum das Leben schön ist. Diese Liste wächst und wächst und wird zu einem rührenden Dokument eines Lebens und zur Ode an die Schönheit des Lebens.
Weitere drei Premieren in der zweiten Spielzeithälfte stehen aktuell noch nicht fest.
Was kommt von den drei Bürgertheatergruppen? In "Richtfest" träumt eine Baugemeinschaft vom gemeinschaftlichen Wohnen - und landet in einem bitterkomischen Kleinkrieg aus Werten, Geld und Egos. "Schöne neue Welt" ist eine interaktive Performance mit neuer Sprache und einem neuen Miteinander, bei der die Standfestigkeit der Werte der Gäste geprüft und die Grenze zwischen Spiel und Realität verwischt wird. Und in der "Pension Schöller" wird die Frage nach der Verrücktheit der Welt gestellt.
Weitere Neuheiten: An jedem Theaterabend wird es für interessierte Gäste eine Werkseinführung geben. Auf der "Chor.Klang.Bühne" präsentieren sich zehn Gesangsensembles aus der Region. "Perspektiven" ist eine Dokumentarkinoreihe zum gemeinsamen Sehen und anschließenden Austausch. Und das Kulturtaxi wird Menschen ins Theater bringen, die nicht mehr mit dem eigenen Auto, mit Bus oder Bahn kommen können und für die ein normales Taxi zu teuer ist. Dabei beginnt der Theaterabend schon auf der Fahrt.
Bereits jetzt können Sie sich Tickets für die Vorstellungen der kommenden Spielzeit unter www.theaterseite.de sichern.

