Bevor sie maximal ICE-Bahnhof verstehen, hier die Auflösung: Auf dem Marktplatz steht seit gestern das MuseumMobil. Es sammelt mögliche Exponate für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens ein, das 2030 in Düsseldorf an den Start gehen soll. Der bunte Container macht auf seinem Weg durch das Lieblingsbindestrichbundesland Station in den Städten und Gemeinden, um vor Ort spätere Schaustücke zusammenzutragen.
Die Töpferstadt Siegburg steuert eine Schnelle von Rolf Krämer (1930-2003) bei. Krämer verliebte sich als junger Mann in das Renaissance-Steinzeug, brachte sich das Handwerk autodidaktisch bei, formte neben Schnellen viele Pokale und Zylinderhalskannen, die eine breite Abnehmerschaft fanden. Der Fingerfertige mit dem Künstlernamen Landsknecht zeichnete sich dadurch aus, dass er vorhandene Druckauflagen der Zeit um 1500, Matritzen genannt, aufarbeitete und eigene nach historischem Vorbild entwarf. Die Bilder auf seinen Gefäßen treten gestochen scharf hervor. Sein Werk mit dem Motiv "Glaube, Liebe, Gerechtigkeit" wandert jetzt vom Siegburger Kulturhaus ins werdende Düsseldorfer Museum.
Moment! Passt der Rückgriff auf die Renaissance zur NRW-Geschichte, die erst 1946 begann? Doppeltes JA. Zum einen fiel das, was uns an Rhein und Ruhr ausmacht, nicht vom Himmel. Handwerk, Gewerbe, Handel - mithin das, wofür die Schnelle steht - gab es natürlich schon vorher, sie prägten die Gesellschaft. Außerdem verkörperte Rolf Krämer den typischen Siegburger Jagdinstinkt der Nachkriegsjahrzehnte. Er gehörte zu jenen, die beim Stadtwiederaufbau den Kopf tief in den Sand der Baugruben steckte, um im Erdreich verborge Schätze aus der großen Töpfer-Epoche zu heben.
Foto (v.l.): Bürgermeister Stefan Rosemann, Dr. Stefanie Johnen von der Stiftung Haus der Geschichte NRW, Vizelandrätin Notburga Kunert und Museumsleiterin Dr. Gundula Caspary.

