Michaelsberg

Täuscher und Taucher

Siegburg. Ein vielstimmiges Konzert empfängt Uwe Radtke und die neun Interessierten, die dem Ornithologen in den folgenden zweieinhalb Stunden durch den Samstagvormittag folgen wollen. Amseln sind zu hören, immer wieder das "Tsi-tsi-däh" der Kohlmeisen. "Der Ruf hat ihr auch den Namen Schlossermeise eingebracht - klingt er doch wie das Feilen von Eisen." Am Himmel flieht ein Schwarzmilan vor zwei Rabenkrähen, die den potenziellen Feind mit Attacken vertreiben. Es ist der vielversprechende Auftakt zur Vogelexkursion am Trerichsweiher.
Doch bevor wir das Wasser erreichen, wandern wir durch den von Luisenstraße, B56 und ICE-Trasse eingefassten Wald. Nur die Agger bildet eine natürliche Grenze. Trotz des relativ jungen Alters - der Bestand hat sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt - entdecken wir überraschend viele alte Bäume. "Ideale Heimat für viele Arten", so Radtke. Spechte - wir hören Bunt- und Grünspecht - bauen ihre Höhlen in das morsche Holz. Später ziehen in diese andere Vögel ein. Ringeltauben beispielsweise, oder Kleiber, die das für sie viel zu große Loch mit Lehm verkleinern. Ein Stück weiter, hinter der abgeplatzten Rinde einer Weide in der Aggeraue, hat ein Gartenbaumläuferpaar sein Nest. "Das sind sogenannte Nischenbrüter, ihnen reicht ein schmaler Spalt."
Staunen lässt uns eine akustische Mimikry. Wir glauben, eine Singdrossel zu hören, doch der Vogelexperte erkennt, von der Bestimmungsapp bestätigt, eine Mönchsgrasmücke. "Die imitieren gerne Laute, zum Beispiel Autoalarmanlagen. Oder eben den Gesang anderer Arten." Fast unhörbar hingegen das Sommergoldhähnchen. "Die höhen Töne sind vor allem für ältere Menschen nur noch schwer zu vernehmen."
Dann stehen wir am Ufer des Trerichsweihers, einer ehemaligen Tongrube mit Wurzeln im 16. Jahrhundert. Das Gewässer ist maximal drei Meter tief und hat keinen natürlichen Zufluss, speist sich also ausschließlich durch Niederschläge. Auf den Inseln brüten verschiedene Arten in unterschiedlichen Stockwerken. Am Boden hocken Graugänse auf ihren Eiern. In der nächsten Etage herrscht noch emsigeres Treiben: Die Kormorane sind damit beschäftigt, an ihren Nestern zu bauen. Wenn sie damit fertig sind, brüten sie einen Monat, dann dauert es noch einmal 50 Tage, bis die Jungen "die gute Stube" verlassen. Damit sind die Eltern ihre Pflichten jedoch noch nicht los: Sie füttern den Nachwuchs weitere drei Monate mit hochgewürgtem Fisch.
Über den Köpfen der abwertend als Wasserraben bezeichneten Tiere - in der Teichwirtschaft können Kormorankolonien große Schäden anrichten, weshalb der heute wieder häufige Vogel in den 70er-Jahren kurz vor dem Aussterben stand - wohnen schließlich die Graureiher. "Das sind wahre Leichtgewichte, gemessen an ihrer Größe." Maximal zweieinhalb Kilo bringen die Schreiter die Waage, die stundenlang nahezu regungslos auf Fische, Frösche, Schlangen, Regenwürmer oder Feldmäuse lauern können. Damit sind sie mehr als 500 Gramm leichter als ihre schwarzen Nachbarn, die dementsprechend kräftigere Äste zum Bau des Nistplatzes benötigen.
Am Ende des Rundgangs stehen 30 Vogelarten, die wir hören und/oder sehen konnten, auf der Liste. Die nächste Exkursion mit Dr. Uwe Radtke führt am Freitagabend, 22. Mai, ab 19 Uhr durch die Pleistalaue. Treffpunkt ist der Parkplatz an Burg Niederpleis. Anmeldung beim Amt für Umwelt und Wirtschaft unter +49 2241 102-1353 oder umwelt@siegburg.de. Die Teilnahme ist kostenlos.
Foto: Erklärung mit vollem Körpereinsatz - Uwe Radkte führt die charakteristische Silhouette eines Kormorans (rechts unten) vor, der sein Gefieder nach einem Tauchgang trocknen lässt. Rechts oben ein Graureiher.

Siegburg. Ein vielstimmiges Konzert empfängt Uwe Radtke und die neun Interessierten, die dem Ornithologen in den folgenden zweieinhalb Stunden durch den Samstagvormittag folgen wollen. Amseln sind zu hören, immer wieder das "Tsi-tsi-däh" der Kohlmeisen. "Der Ruf hat ihr auch den Namen Schlossermeise eingebracht - klingt er doch wie das Feilen von Eisen." Am Himmel flieht ein Schwarzmilan vor zwei Rabenkrähen, die den potenziellen Feind mit Attacken vertreiben. Es ist der vielversprechende Auftakt zur Vogelexkursion am Trerichsweiher.

Doch bevor wir das Wasser erreichen, wandern wir durch den von Luisenstraße, B56 und ICE-Trasse eingefassten Wald. Nur die Agger bildet eine natürliche Grenze. Trotz des relativ jungen Alters - der Bestand hat sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt - entdecken wir überraschend viele alte Bäume. "Ideale Heimat für viele Arten", so Radtke. Spechte - wir hören Bunt- und Grünspecht - bauen ihre Höhlen in das morsche Holz. Später ziehen in diese andere Vögel ein. Ringeltauben beispielsweise, oder Kleiber, die das für sie viel zu große Loch mit Lehm verkleinern. Ein Stück weiter, hinter der abgeplatzten Rinde einer Weide in der Aggeraue, hat ein Gartenbaumläuferpaar sein Nest. "Das sind sogenannte Nischenbrüter, ihnen reicht ein schmaler Spalt."

Staunen lässt uns eine akustische Mimikry. Wir glauben, eine Singdrossel zu hören, doch der Vogelexperte erkennt, von der Bestimmungsapp bestätigt, eine Mönchsgrasmücke. "Die imitieren gerne Laute, zum Beispiel Autoalarmanlagen. Oder eben den Gesang anderer Arten." Fast unhörbar hingegen das Sommergoldhähnchen. "Die höhen Töne sind vor allem für ältere Menschen nur noch schwer zu vernehmen."

Dann stehen wir am Ufer des Trerichsweihers, einer ehemaligen Tongrube mit Wurzeln im 16. Jahrhundert. Das Gewässer ist maximal drei Meter tief und hat keinen natürlichen Zufluss, speist sich also ausschließlich durch Niederschläge. Auf den Inseln brüten verschiedene Arten in unterschiedlichen Stockwerken. Am Boden hocken Graugänse auf ihren Eiern. In der nächsten Etage herrscht noch emsigeres Treiben: Die Kormorane sind damit beschäftigt, an ihren Nestern zu bauen. Wenn sie damit fertig sind, brüten sie einen Monat, dann dauert es noch einmal 50 Tage, bis die Jungen "die gute Stube" verlassen. Damit sind die Eltern ihre Pflichten jedoch noch nicht los: Sie füttern den Nachwuchs weitere drei Monate mit hochgewürgtem Fisch. 

Über den Köpfen der abwertend als Wasserraben bezeichneten Tiere - in der Teichwirtschaft können Kormorankolonien große Schäden anrichten, weshalb der heute wieder häufige Vogel in den 70er-Jahren kurz vor dem Aussterben stand - wohnen schließlich die Graureiher. "Das sind wahre Leichtgewichte, gemessen an ihrer Größe." Maximal zweieinhalb Kilo bringen die Schreiter die Waage, die stundenlang nahezu regungslos auf Fische, Frösche, Schlangen, Regenwürmer oder Feldmäuse lauern können. Damit sind sie mehr als 500 Gramm leichter als ihre schwarzen Nachbarn, die dementsprechend kräftigere Äste zum Bau des Nistplatzes benötigen.

Am Ende des Rundgangs stehen 30 Vogelarten, die wir hören und/oder sehen konnten, auf der Liste. Die nächste Exkursion mit Dr. Uwe Radtke führt am Freitagabend, 22. Mai, ab 19 Uhr durch die Pleistalaue. Treffpunkt ist der Parkplatz an Burg Niederpleis. Anmeldung beim Amt für Umwelt und Wirtschaft unter +49 2241 102-1353 oder umwelt@siegburg.de. Die Teilnahme ist kostenlos.

Foto: Erklärung mit vollem Körpereinsatz - Uwe Radkte führt die charakteristische Silhouette eines Kormorans (rechts unten) vor, der sein Gefieder nach einem Tauchgang trocknen lässt. Rechts oben ein Graureiher.

Hilfe zur Barrierefreiheit

  • Allgemein

    Wir sind bemüht, unsere Webseiten barrierefrei zugänglich zu gestalten. Details hierzu finden Sie in unserer Erklärung zur Barrierefreiheit. Verbesserungsvorschläge können Sie uns gern über unser Feedback-Formular zukommen lassen.

  • Schriftgröße

    Um die Schriftgröße anzupassen, verwenden Sie bitte folgende Tastenkombinationen:

    Größer

    command
    +

    Kleiner

    command

    Größer

    Strg
    +

    Kleiner

    Strg
  • Tastaturnavigation

    Verwenden Sie TAB und SHIFT + TAB, um durch nächste / vorherige Links, Formularelemente und Schaltflächen zu navigieren.

    Verwenden Sie ENTER, um Links zu öffnen und mit Elementen zu interagieren.

  • Kontrastmodus

    Drücken Sie die folgende Tastenkombination, um den Kontrast zu verringern bzw. zu vergrößern:

    Vergrößern

    control
    option
    command
    .

    Verringern

    control
    option
    command
    ,
    Hinweis: Die Kurzbefehle müssen in den Systemeinstellungen des Betriebssystems aktiviert sein.

    Drücken Sie die linke ALT-TASTE + linke UMSCHALTTASTE + DRUCK, um den Modus für hohen Kontrast schnell ein- oder auszuschalten.

  • Farben umkehren

    Drücken Sie folgende Tastenkombination, um die Farbumkehrung ein- und auszuschalten:

    control
    option
    command
    8
    Hinweis: Die Kurzbefehle müssen in den Systemeinstellungen des Betriebssystems aktiviert sein.

    Aktivieren Sie zuerst die Bildschirmlupe und schalten Sie dann die Farbumkehrung mit folgenden Tastenkombinationen ein und aus:

    1. Bildschirmlupe

    +

    2. Farben umkehren

    Strg
    Alt
    I
  • Bildschirmlupe

    Drücken sie folgende Tastenkombinationen, um die Bildschirmlupe zu verwenden:

    Ein-/ausschalten

    option
    command
    8

    Ansicht vergrößern

    option
    command
    =

    Ansicht verkleinern

    option
    command
    Hinweis: Die Kurzbefehle müssen in den Systemeinstellungen des Betriebssystems aktiviert sein.

    Einschalten / Ansicht vergrößern

    +

    Ansicht verkleinern