Schon das Aufwärmprogramm zwischen der WDR-2-Fußballstimme und dem Weltmeister hatte höchsten Unterhaltungswert. Frotzeleien über mangelhafte Ballbehandlung des ellenlangen Radiomanns, Verweise auf die chemische Sterilität eines rechtsrheinischen Werksvereins und das Leid, das die sadomasochistische Liebe zum Geißbock mit sich bringt, stellten den humoristischen Rahmen für einen Abend, an dem es ernst und tiefgründig zuging.
Overaths Kindheit im engen Reihenhäuschen an der Alten Lohmarer Straße. Zwei tote Brüder, gefallen an der Ost- und an der Heimatfront. Die Eltern, die ab dem 15. jeden Monats beim Lebensmittelhändler anschreiben lassen mussten. Der Vater, der seinen Jüngsten mit größten Hoffnungen zum Gymnasium schickte, natürlich nicht mit dem Ziel, dass aus ihm ein Fußballprofessioneller werde. Das Streben des Sohns, dem Papa mit dem ersten verdienten Geld zu zeigen: "Das hier ist ein Beruf, und man kann sehr gut von ihm leben. Mach dir keine Sorgen."
Illustreste Männer bevölkern die Erzählungen. Die präsidiale Überfigur Franz Kremer, Architekt des schneeweißen 60er-Jahre-Balletts mit dem Namen 1. FC Köln. Die Mannschaft war das, was die Bayern heute sind. "Kremer hat immer geahnt, wohin Entwicklungen gingen. Von seinem plötzlichen Tod hat sich der Verein nie erholt." Und über Freund und sportlichen Dauerrivalen Günter Netzer, der sich während der EM 72 brillierend auf die Startrampe für die Heim-WM 74 setzte, nur um im letzten Moment vom Kölner überflügelt zu werden. "Hätte er im Vorrundenspiel gegen die DDR, als ich aus- und er eingewechselt wurde, seine Chance genutzt ... Ich hätte nicht mehr gespielt." Wäre, wäre, Fahrradkette. Jürgen Sparwasser traf für die DDR, Netzer blieb blass wie die Gesichter der DFB-Fans im Hamburger Volkspark. Aus der Krisenbesprechungsnacht von Malente ging die Elf gestärkt hervor. Der Rest ist Sportgeschichte, an der ein Siegburger mitschrieb.
Ein eigenes Kapitel erhält Franz Beckenbauer, Overath zufolge der größte Spieler unseres Landes, dem die nachträglichen Querelen zur Sommermärchenvergabe Lebensmut und Gesundheit nahmen. "Für die meisten Menschen verläuft das Leben so", beschreibt der Weggefährte mit wellenförmiger Geste ein Auf und Ab. "Bei Franz sah es lange so aus", schiebt er hinterher, wobei seine Hand eine steil ansteigende Gerade zeichnet. Die Bewunderung für den Kaiser ist umfassend. Das Mitgefühl über dessen letzte Jahre, als die Recherchen zur WM 2006 die Lichtgestalt aus der Umlaufbahn rissen, ebenso.
Im Pressekommuniqué zu ihrer Kundenveranstaltung mit dem Titel "Die gute Stunde" geht die Kreissparkasse schlussendlich auf das caritative Augenmerk der Hauptperson ein: "Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, war es Overath stets ein Anliegen, seinen Erfolg weiterzugeben - insbesondere an Menschen, denen das Leben weniger Möglichkeiten bietet. Dieses Selbstverständnis spiegelt sich in seinem langjährigen sozialen Engagement, aus dem der Wolfgang Overath Fonds für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten entstanden ist." Die 180 Gäste hatten die Möglichkeit, es der KSK gleichzutun und eine Spende an den Fonds tätigen.
Foto: Wolfgang Overath im Gespräch mit dem Journalisten Sven Pistor (l.).

