Anlässlich des 826. Stadtjubiläums und des 40-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft reiste Bürgermeister Stefan Rosemann mit einer kleinen Delegation in die portugiesische Partnerstadt. Die Reise wurde zu einem eindrucksvollen Blick in ein kommunales System, das, trotz vergleichbarer Bevölkerungsgröße, ganz andere Herausforderungen kennt.
Guarda ist die höchstgelegene Stadt Portugals und liegt am Rand der Serra da Estrela. Während in Siegburg Schulen, Verwaltung, Versorgung und Kulturangebote nah beieinanderliegen und die Wege kurz sind, ist die Stadtverwaltung von Guarda in einem völlig anderen Maßstab gefordert. Sie trägt Verantwortung für 42 teils abgelegene Dörfer samt eigenen Gemeindeverwaltungen.
Investitionen in Tradition, Natur und Zukunft: Um die Dörfer zu stärken, setzt Guarda bewusst auf den Erhalt regionaler Traditionen und nachhaltigen Tourismus. Ein Vorzeigeprojekt ist der Passadiços do Mondego, ein zwölf Kilometer langer Wanderweg aus Holzstegen entlang des Rio Mondego. Seit der Eröffnung im November 2022 haben ihn bereits 220.000 Besucherinnen und Besucher erkundet. Ein Clou: Durch den Eintrittspreis von 2,50 Euro lassen sich nicht nur die Besucherzahlen präzise erfassen, sondern auch in Echtzeit nachvollziehen, wie viele Personen sich aktuell im Gelände befinden. So kann die Stadtverwaltung, insbesondere an Tagen mit extrem hohen Temperaturen oder ungünstigen Witterungsbedingungen, Besucher lenken, Warnhinweise aussprechen oder den Zugang steuern.
Ein Ort, der beispielhaft zeigt, was ländliche Resilienz bedeutet: Vorzeigeprojekt Nummer zwei ist das Bergdorf Videmonte, das am Beispiel von drei Betrieben die Chancen und Herausforderungen des Strukturwandels vieler Gemeinden der Region zeigt.
In der Käserei von Alcina Correia wird jede Milchkanne noch per Hand gemolken. 200 Schafe, täglicher Arbeitsbeginn um 6.30 Uhr, oft bis spät in die Nacht. Für einen einzigen Käse benötigt Alcina fünf Liter Milch. Rund 1.000 Laibe entstehen pro Jahr, und damit mühsame Handarbeit, die für sich spricht: "Die Kunden kommen zu uns", berichtet die Portugiesin. Doch hinter dieser Hingabe steht ein hartes Umfeld. Viele Betriebe haben wegen internationaler Konkurrenz aufgegeben, junge Menschen wandern in größere Städte ab. Videmonte reagiert mit Tourismusangeboten, mit der Umnutzung alter Häuser und sogar mit einem Co-Working-Space im historischen Gemäuer.
Nur wenige Meter weiter liegt die Bäckerei Vim do Monte (Foto) von Manuel Proença. Sein Roggenbrot wird im Holzofen gebacken, aus Getreide, das er selbst anbaut. Jeden Freitag heizt er den Ofen an, um die Brote anschließend auf dem Markt in Guarda zu verkaufen.
Ebenfalls im Dorf befindet sich die ehemalige Fabrik von Artur Freire, heute Sitz der Vereinigung "O Genuíno Cobertor de Papa". Hier wird die fast vergessene Cobertor de Papa wieder hergestellt, eine schwere, warme Decke aus der Wolle der regionalen Churra-Mondegueira-Schafe. Die 2018 gegründete Vereinigung hat die Tradition gerettet. Heute ist die Manufaktur der einzige Ort weltweit, an dem die Decke noch nach originaler Handwerkskunst gefertigt wird.

