Michaelsberg

Ruth Kühn im Zeitzeugenstand

Siegburg. Zeitzeugenreihe zum Zweiten Weltkrieg in der VHS, initiiert von "Siegburg zeigt Haltung". Peter Börner, Vertriebener aus Bunzlau in Schlesien, machte Ende Februar den Auftakt. Vorgestern war's mucksmäuschenstill, als Ruth Kühn, Urgestein der Katholischen Frauen und stadtbekannte Kümmerin, in der Studienhausaula sprach.
Geboren 1937 in Hannover, der Industriestadt, in die ihr Siegburger Vater aufgrund seiner Anstellung beim Troisdorfer Rüstungsgiganten Dynamit Nobel versetzt wurde, erlebt sie als junge Schülerin beinahe tägliche Bomberangriffe, lange Luftschutzbunkernächte ohne Eltern, ständige Angst. Sie sieht eine Mitschülerin in einem Löschteich ertrinken. Nach dem Krieg geht's im offenen Pritschenwagen die 330 Kilometer zurück an die Sieg, doch das väterliche Haus ist besetzt mit Ausgebombten, Flüchtlingen. Nun heimatlos, ziehen die vier Familienmitglieder weiter. Mit Schwester und Eltern lebt sie zwischenzeitlich bei Neuwied, wo die Mutter herkommt. Jahre der Entbehrung, des Fringsens. Auch sie, als Panz unverdächtig, tauscht selbstgebrannten Schnaps gegen Essbares ein.
Dann die Währungsreform, der Aufbruch. Der Vater gründet die Sanitärfirma Kümpel, sie macht früh den Führerschein - und die Löhne für die Angestellten. Eine Frau in der Männerwelt. "Eine 1,80 Meter große Frau, das war sicher von Vorteil", merkt sie humorvoll an.
Mit 30 noch einmal eine andere Richtung. Sie wird Lehrerin, unterrichtet an der Mucher Realschule. Zuvor intensive Weiterbildung, mitten in der Familienphase. Als ob das noch nicht genug ist: Vormundschaften, Fahrdienste, Nachbarschaftshilfe, Veranstaltungsorga. Das Land baut sie im doppelten Sinn auf. Erst physisch in der Firma, später moralisch durch Arbeit in der Schule und im Ehrenamt.
Die aktuellen politischen Tendenzen nach Rechtsaußen bereiten ihr Sorgen. Zwei Sätze eines gut besuchten Vortragsabends bleiben hängen. Erstens: "Ich möchte nicht, dass nachfolgende Generationen noch einmal Krieg und Nachkrieg erleben müssen, die ersten zwölf Jahre meines Lebens waren hart." Zweitens: "Unser Land besteht aus der Summe der Handlungen seiner Menschen." Wer also ein faires, gerechtes, demokratisches Deutschland haben möchte, muss selbst anfangen.
Am 24. März, 18.30 Uhr, berichtet Stadtarchivar Jan Gerull am selben Ort über die Zeitzeugengespräche, die er vor fünf Jahren, 75 Jahre nach Kriegsende, führte.
Foto: Die Zeitzeugin im Dialog mit Interviewpartnerin Kirsten Georg von "Siegburg zeigt Haltung".

Siegburg. Zeitzeugenreihe zum Zweiten Weltkrieg in der VHS, initiiert von "Siegburg zeigt Haltung".  Peter Börner, Vertriebener aus Bunzlau in Schlesien, machte Ende Februar den Auftakt. Vorgestern war's mucksmäuschenstill, als Ruth Kühn, Urgestein der Katholischen Frauen und stadtbekannte Kümmerin, in der Studienhausaula sprach.

Geboren 1937 in Hannover, der Industriestadt, in die ihr Siegburger Vater aufgrund seiner Anstellung beim Troisdorfer Rüstungsgiganten Dynamit Nobel versetzt wurde, erlebt sie als junge Schülerin beinahe tägliche Bomberangriffe, lange Luftschutzbunkernächte ohne Eltern, ständige Angst. Sie sieht eine Mitschülerin in einem Löschteich ertrinken. Nach dem Krieg geht's im offenen Pritschenwagen die 330 Kilometer zurück an die Sieg, doch das väterliche Haus ist besetzt mit Ausgebombten, Flüchtlingen. Nun heimatlos, ziehen die vier Familienmitglieder weiter. Mit Schwester und Eltern lebt sie zwischenzeitlich bei Neuwied, wo die Mutter herkommt. Jahre der Entbehrung, des Fringsens. Auch sie, als Panz unverdächtig, tauscht selbstgebrannten Schnaps gegen Essbares ein. 

Dann die Währungsreform, der Aufbruch. Der Vater gründet die Sanitärfirma Kümpel, sie macht früh den Führerschein - und die Löhne für die Angestellten. Eine Frau in der Männerwelt. "Eine 1,80 Meter große Frau, das war sicher von Vorteil", merkt sie humorvoll an. 

Mit 30 noch einmal eine andere Richtung. Sie wird Lehrerin, unterrichtet an der Mucher Realschule. Zuvor intensive Weiterbildung, mitten in der Familienphase. Als ob das noch nicht genug ist: Vormundschaften, Fahrdienste, Nachbarschaftshilfe, Veranstaltungsorga. Das Land baut sie im doppelten Sinn auf. Erst physisch in der Firma, später moralisch durch Arbeit in der Schule und im Ehrenamt.

Die aktuellen politischen Tendenzen nach Rechtsaußen bereiten ihr Sorgen. Zwei Sätze eines gut besuchten Vortragsabends bleiben hängen. Erstens: "Ich möchte nicht, dass nachfolgende Generationen noch einmal Krieg und Nachkrieg erleben müssen, die ersten zwölf Jahre meines Lebens waren hart." Zweitens: "Unser Land besteht aus der Summe der Handlungen seiner Menschen." Wer also ein faires, gerechtes, demokratisches Deutschland haben möchte, muss selbst anfangen. 

Am 24. März, 18.30 Uhr, berichtet Stadtarchivar Jan Gerull am selben Ort über die Zeitzeugengespräche, die er vor fünf Jahren, 75 Jahre nach Kriegsende, führte.  

Foto: Die Zeitzeugin im Dialog mit Interviewpartnerin Kirsten Georg von "Siegburg zeigt Haltung". 

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