E-Mail von Wolfgang Matthies. Er hat eine Hertha-Vergangenheit als Torwart. Ein halbes Jahrhundert ist das her. Klingt nicht nach einem Problem. Ist aber insofern eins, als dass er es nicht beweisen kann. Er war Amateur, kam nur wenige Male in der Profimannschaft neben Erwin Kostedde, dem ersten schwarzen Nationalspieler, und Erich "Ete" Beer zum Einsatz. Matthies' Kinder, große Herthafans, können ihrem Dad nicht glauben, dass er früher wirklich Spielminuten in der ersten Elf erhielt.
Was hat Siegburg damit zu tun? Im September 1975 ist die Hertha, damals deutscher Vizemeister, in der Kreisstadt zu Gast. Das Eröffnungsspiel des Walter-Mundorf-Stadions sehen 6.000 Zuschauer. Die Hertha kommt vom Ligamatch gegen die Offenbacher Kickers, präsentiert sich eher schlapp als "beerenstark" und gewinnt nur 2:0. Zweitmannschaftskicker erhalten gegen den SSV 04 eine Chance. Darunter Wolfgang Matthies. "Haben Sie in Ihren Zeitungen vielleicht ein Mannschaftsbild der Hertha, dann könnte ich es meinen Kindern zeigen? Es wäre ein verspätetes Weihnachtsgeschenk." Wir finden kein Teamfoto, aber sowohl der Kölner Stadt-Anzeiger als auch der SSV in seiner Sonderveröffentlichung zur Arena-Einweihung druckten die Aufstellung mit seinem Namen. Wir senden die Beweise nach Berlin.
Matthies verdient sein Geld nicht mit Fußball. Er studiert Betriebswirtschaft, ist 35 Jahre als Immobilienmakler tätig und lebt sein ganzes Leben im Berliner Süden, in Marienfelde, Rudow, Lichtenrade. "Bis heute ohne Stromausfall", witzelt er in unserer Korrespondenz. In der Jugend spielt er beim BFC Preußen, mit dem er in der A-Jugend Berliner Meister wird und in der Vorrunde der Deutschen Meisterschaft gegen den 1. FC Köln mit Glowacz und Konopka im Heimspiel vor 3.000 Zuschauern 0:2 verliert. Danach ist er in der Berliner Regionalliga aktiv, neben dem Herthadress trägt er das Trikot von Hellas Nordwest, Viktoria 1889 und dem jüdischen Verein TuS Makkabi. Als Keeper der Berliner Stadtmannschaft darf er auf dem Rasen des Olympiastadions von Los Angeles auflaufen (Foto).
Interessante Dopplung: Mit dem etwa gleichalten Torwart Wolfgang Matthies von Union Berlin, einer Legende des DDR-Fußballs, hat er nichts zu tun, es handelt sich um Namensvetter. "Bis heute bekomme ich Autogrammanfragen, die ich weiterleite."
Wer am 21. September 1975 im Walter-Mundorf-Stadion war und ein Foto gemacht hat, meldet sich bitte unter presse@siegburg.de. Vielleicht kann Siegburg das gewünschte Weihnachtsgeschenk wirklich noch überbringen.

