Michaelsberg

"Müssen mich so nehmen, wie ich bin"

Siegburg. Sie war Ministerin, Bundestagspräsidentin, Wissenschaftlerin, Buchautorin und Querdenkerin zu einer Zeit, in der das Wort noch nicht für Realitätsflucht und Geschwurbel stand. Parteiübergreifend trauert Deutschland um die CDU-Politikerin Rita Süssmuth, die am 1. Februar im Alter von 88 Jahren in Neuss verstarb. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ordnete einen Trauerstaatsakt an, was als Ausweis für die grandiose Lebensleistung einer Frau gilt, die sich nie scheute, unbequeme Wahrheiten offen auszusprechen und gesellschaftliche Anstöße zu geben.
Dem Siegburger Stadtarchiv liegt das Video einer Rede zum Thema "Umdenken in Lebensfragen" vor, die Süssmuth 1988 in der Aula des Anno-Gymnasiums hielt, wohin sie auf Einladung ihrer Partei gekommen war. Die Sequenz stammt aus dem Filmmaterial, das Altbürgermeister Rolf Krieger der Verwaltung im letzten Jahr übergab (wir berichteten).
Wir erleben eine Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, die keine Zeit mit typischen Politikfloskeln vergeudet. Ihre Kernbotschaften im Schnelldurchlauf: Was Kinder brauchen? Eltern, zu denen sie mit jedem Problem kommen können, auch mit Fragen der Sexualität oder mit ungewollten Schwangerschaften. Überhaupt: Auch die Männer haben teil an Verhütung und, wenn diese fehlschlägt, an der Verantwortung für das Kind. Keine Sozialbehörde, kein Ministerium ersetzt menschliche Zuwendung. Warum verstecken sich Eltern von behinderten Kindern? Weil sie das Gefühl haben, in ihrer Nachbarschaft weniger angenommen zu sein als andere Eltern. Umweltzerstörung? Rufe nach Regeln gut und schön, aber letztlich geht es um unser eigenes Tun, um das Zurückschrauben eigener materieller Bedürfnisse.
38 Jahre ist der Vortrag alt, in vielen Punkten ist er topaktuell: Recht auf Teilzeitarbeit, lebenslanges Lernen, auch in der Phase der abklingenden Berufstätigkeit ab 50, 55. Selbstbestimmung im Alter und Sterbehilfe. Grenzen der Wissenschaft. Common Sense und sittliches Empfinden der Bevölkerung statt Allmacht der Ethikkommissionen und Beratungsgremien. "Gesetze geben immer nur einen Rahmen vor. Wie wir den Rahmen ausfüllen, entscheiden wir selbst."
Das Schlusswort ist bemerkenswert: "Wenn Sie nicht immer mit mir zufrieden sind - ich bin es auch nicht. Aber Sie müssen mich so nehmen, wie ich bin."
Hier zur Rede. Eine Dreiviertelstunde, die man nicht bereut!

Siegburg. Sie war Ministerin, Bundestagspräsidentin, Wissenschaftlerin, Buchautorin und Querdenkerin zu einer Zeit, in der das Wort noch nicht für Realitätsflucht und Geschwurbel stand. Parteiübergreifend trauert Deutschland um die CDU-Politikerin Rita Süssmuth, die am 1. Februar im Alter von 88 Jahren in Neuss verstarb. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ordnete einen Trauerstaatsakt an, was als Ausweis für die grandiose Lebensleistung einer Frau gilt, die sich nie scheute, unbequeme Wahrheiten offen auszusprechen und gesellschaftliche Anstöße zu geben. 

Dem Siegburger Stadtarchiv liegt das Video einer Rede zum Thema "Umdenken in Lebensfragen" vor, die Süssmuth 1988 in der Aula des Anno-Gymnasiums hielt, wohin sie auf Einladung ihrer Partei gekommen war. Die Sequenz stammt aus dem Filmmaterial, das Altbürgermeister Rolf Krieger der Verwaltung im letzten Jahr übergab (wir berichteten). 

Wir erleben eine Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, die keine Zeit mit typischen Politikfloskeln vergeudet. Ihre Kernbotschaften im Schnelldurchlauf: Was Kinder brauchen? Eltern, zu denen sie mit jedem Problem kommen können, auch mit Fragen der Sexualität oder mit ungewollten Schwangerschaften. Überhaupt: Auch die Männer haben teil an Verhütung und, wenn diese fehlschlägt, an der Verantwortung für das Kind. Keine Sozialbehörde, kein Ministerium ersetzt menschliche Zuwendung. Warum verstecken sich Eltern von behinderten Kindern? Weil sie das Gefühl haben, in ihrer Nachbarschaft weniger angenommen zu sein als andere Eltern. Umweltzerstörung? Rufe nach Regeln gut und schön, aber letztlich geht es um unser eigenes Tun, um das Zurückschrauben eigener materieller Bedürfnisse.

38 Jahre ist der Vortrag alt, in vielen Punkten ist er topaktuell: Recht auf Teilzeitarbeit, lebenslanges Lernen, auch in der Phase der abklingenden Berufstätigkeit ab 50, 55. Selbstbestimmung im Alter und Sterbehilfe. Grenzen der Wissenschaft. Common Sense und sittliches Empfinden der Bevölkerung statt Allmacht der Ethikkommissionen und Beratungsgremien. "Gesetze geben immer nur einen Rahmen vor. Wie wir den Rahmen ausfüllen, entscheiden wir selbst."

Das Schlusswort ist bemerkenswert: "Wenn Sie nicht immer mit mir zufrieden sind - ich bin es auch nicht. Aber Sie müssen mich so nehmen, wie ich bin." 

Hier zur Rede. Eine Dreiviertelstunde, die man nicht bereut! 

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