In der Blätterkohle, "ein Sediment, so feinkörnig, dass Mehl dagegen grob erscheint", so Heumann, wurden Pflanzenteile und Tiere konserviert. Die Fossilien erzählen über das Leben, das in dieser Landschaft herrschte. Der Geologe stellte einige Vertreter vor - mitsamt der heute noch vorkommenden Verwandtschaft: Riesensalamander, wie man sie in Japan antrifft, Pfeifhasen, die in nordamerikanischen Nationalparks zu den Publikumslieblingen zählen, Götterbäume, die in China wachsen - und eben Krokodile sowie Palmen. Insgesamt wurden rund 630 Insektenarten gefunden, 49 Wirbeltierarten (Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere) beschrieben, etwa 300 Pflanzenarten (Moose, Schachtelhalme, Farne, Koniferen und Blütenpflanze) in die Sammlungen aufgenommen. Neueste Forschungen beschäftigen sich sogar mit den Fraßspuren und Eiern, die Insekten in und auf Blättern hinterließen (Foto). Beschrieben sind die Untersuchungsobjekte in 470 wissenschaftlichen Veröffentlichungen. "Wir haben es mit einer Fundstätte von Weltrang zu tun" - allerdings heute, für die Forschung unerreichbar, unter einem Golfplatz begraben. Was - noch - fehlt sind Blüten, Schnecken, Muscheln oder Krebse.
Die Fossilien öffnen den Blick auf das Klima dieser Epoche der Erdgeschichte. Es ist anzunehmen, dass die Durchschnittstemperatur damals - Siegburg lag etwa auf der Höhe Norditaliens, die Alpen waren noch nicht aufgefaltet, eine warme Meeresströmung verband Indischen, Atlantischen und Pazifischen Ozean, da es keine Landbrücke zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel sowie Nord- und Südamerika gab - bei 16 bis 20 Grad lag und jährlich bis zu 1.500 Millimeter Regen fielen. Zum Vergleich: Die aktuellen Jahresmittelwerte für Bonn liegen bei einer Temperatur von 10,6 Grad und 850 Millimetern Niederschlag.
Heumann begleitet derzeit die Umgestaltung der geologischen Abteilung im Stadtmuseum, die zahlreiche Fundstücke aus Rott zeigt, und wird auch 2026 zu einem weiteren Museumsgespräch erwartet.

