Michaelsberg

Fossilien erzählen

Siegburg. Wissenschaftler haben oft das Problem, ihre Forschung in für den Laien verständliche Worte zu fassen. Anders der Geologe Dr. Georg Heumann, Sammlungsverwalter des Goldfuß-Museums der Uni Bonn, der die Zuhörer des Museumsgesprächs "Krokodile unter Palmen" am Donnerstagabend mit auf eine Zeitreise nahm. Das Ziel: Eine Seen- und Sumpflandschaft, die sich vor 25 Millionen Jahren in unserer Region erstreckte. Wie groß diese war, ist unbekannt. Gewaltige Kräfte haben die Spuren, die das Feuchtgebiet in der Abfolge der Gesteinsschichten hinterlassen hat, an vielen Stellen mehrere hundert Meter tief ins Erdreich absinken lassen. An anderer Stelle - so beim Hennefer Ortsteil Rott - traten sie ans Tageslicht. Die Blätterkohle, gebildet aus Ölalgen, die beim Absinken mächtige Schichten von Faulschlamm bildeten, die jedes Leben im Keim erstickten, wurde über Jahrzehnte abgebaut, um daraus Paraffin und Petroleum, also Brennstoffe, zu gewinnen. Erst 1935 wurde die Tätigkeit eingestellt.
In der Blätterkohle, "ein Sediment, so feinkörnig, dass Mehl dagegen grob erscheint", so Heumann, wurden Pflanzenteile und Tiere konserviert. Die Fossilien erzählen über das Leben, das in dieser Landschaft herrschte. Der Geologe stellte einige Vertreter vor - mitsamt der heute noch vorkommenden Verwandtschaft: Riesensalamander, wie man sie in Japan antrifft, Pfeifhasen, die in nordamerikanischen Nationalparks zu den Publikumslieblingen zählen, Götterbäume, die in China wachsen - und eben Krokodile sowie Palmen. Insgesamt wurden rund 630 Insektenarten gefunden, 49 Wirbeltierarten (Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere) beschrieben, etwa 300 Pflanzenarten (Moose, Schachtelhalme, Farne, Koniferen und Blütenpflanze) in die Sammlungen aufgenommen. Neueste Forschungen beschäftigen sich sogar mit den Fraßspuren und Eiern, die Insekten in und auf Blättern hinterließen (Foto). Beschrieben sind die Untersuchungsobjekte in 470 wissenschaftlichen Veröffentlichungen. "Wir haben es mit einer Fundstätte von Weltrang zu tun" - allerdings heute, für die Forschung unerreichbar, unter einem Golfplatz begraben. Was - noch - fehlt sind Blüten, Schnecken, Muscheln oder Krebse.
Die Fossilien öffnen den Blick auf das Klima dieser Epoche der Erdgeschichte. Es ist anzunehmen, dass die Durchschnittstemperatur damals - Siegburg lag etwa auf der Höhe Norditaliens, die Alpen waren noch nicht aufgefaltet, eine warme Meeresströmung verband Indischen, Atlantischen und Pazifischen Ozean, da es keine Landbrücke zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel sowie Nord- und Südamerika gab - bei 16 bis 20 Grad lag und jährlich bis zu 1.500 Millimeter Regen fielen. Zum Vergleich: Die aktuellen Jahresmittelwerte für Bonn liegen bei einer Temperatur von 10,6 Grad und 850 Millimetern Niederschlag.
Heumann begleitet derzeit die Umgestaltung der geologischen Abteilung im Stadtmuseum, die zahlreiche Fundstücke aus Rott zeigt, und wird auch 2026 zu einem weiteren Museumsgespräch erwartet.

Siegburg. Wissenschaftler haben oft das Problem, ihre Forschung in für den Laien verständliche Worte zu fassen. Anders der Geologe Dr. Georg Heumann, Sammlungsverwalter des Goldfuß-Museums der Uni Bonn, der die Zuhörer des Museumsgesprächs "Krokodile unter Palmen" am Donnerstagabend mit auf eine Zeitreise nahm. Das Ziel: Eine Seen- und Sumpflandschaft, die sich vor 25 Millionen Jahren in unserer Region erstreckte. Wie groß diese war, ist unbekannt. Gewaltige Kräfte haben die Spuren, die das Feuchtgebiet in der Abfolge der Gesteinsschichten hinterlassen hat, an vielen Stellen mehrere hundert Meter tief ins Erdreich absinken lassen. An anderer Stelle - so beim Hennefer Ortsteil Rott - traten sie ans Tageslicht. Die Blätterkohle, gebildet aus Ölalgen, die beim Absinken mächtige Schichten von Faulschlamm bildeten, die jedes Leben im Keim erstickten, wurde über Jahrzehnte abgebaut, um daraus Paraffin und Petroleum, also Brennstoffe, zu gewinnen. Erst 1935 wurde die Tätigkeit eingestellt.

In der Blätterkohle, "ein Sediment, so feinkörnig, dass Mehl dagegen grob erscheint", so Heumann, wurden Pflanzenteile und Tiere konserviert. Die Fossilien erzählen über das Leben, das in dieser Landschaft herrschte. Der Geologe stellte einige Vertreter vor - mitsamt der heute noch vorkommenden Verwandtschaft: Riesensalamander, wie man sie in Japan antrifft, Pfeifhasen, die in nordamerikanischen Nationalparks zu den Publikumslieblingen zählen, Götterbäume, die in China wachsen - und eben Krokodile sowie Palmen. Insgesamt wurden rund 630 Insektenarten gefunden, 49 Wirbeltierarten (Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere) beschrieben, etwa 300 Pflanzenarten (Moose, Schachtelhalme, Farne, Koniferen und Blütenpflanze) in die Sammlungen aufgenommen. Neueste Forschungen beschäftigen sich sogar mit den Fraßspuren und Eiern, die Insekten in und auf Blättern hinterließen (Foto). Beschrieben sind die Untersuchungsobjekte in 470 wissenschaftlichen Veröffentlichungen. "Wir haben es mit einer Fundstätte von Weltrang zu tun" - allerdings heute, für die Forschung unerreichbar, unter einem Golfplatz begraben. Was - noch - fehlt sind Blüten, Schnecken, Muscheln oder Krebse. 

Die Fossilien öffnen den Blick auf das Klima dieser Epoche der Erdgeschichte. Es ist anzunehmen, dass die Durchschnittstemperatur damals - Siegburg lag etwa auf der Höhe Norditaliens, die Alpen waren noch nicht aufgefaltet, eine warme Meeresströmung verband Indischen, Atlantischen und Pazifischen Ozean, da es keine Landbrücke zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel sowie Nord- und Südamerika gab - bei 16 bis 20 Grad lag und jährlich bis zu 1.500 Millimeter Regen fielen. Zum Vergleich: Die aktuellen Jahresmittelwerte für Bonn liegen bei einer Temperatur von 10,6 Grad und 850 Millimetern Niederschlag.

Heumann begleitet derzeit die Umgestaltung der geologischen Abteilung im Stadtmuseum, die zahlreiche Fundstücke aus Rott zeigt, und wird auch 2026 zu einem weiteren Museumsgespräch erwartet.

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