Schon länger bröckelt dieser gesellschaftsübergreifende Konsens der historischen Bewertung. Die Co-Vorsitzende der nach Stimmen zweitstärksten Bundestagspartei spricht vom 8. Mai als Tag der Niederlage. Mit allen Interpretationsspielräumen, die diese Aussage zulässt.
Umso wichtiger, die eigenen erinnerungspolitischen Hausaufgaben zu machen und mahnend die Gräuel der Naziherrschaft wachzurufen. Siegburg tut dies immer am letzten Augustwochenende an der Ruine des Ulrather Hofs an der Agger. Hier werden am 23. August 1944 drei im Gefängnis an der Luisenstraße eingekerkerte Männer aus Luxemburg - Jean Bück, Camille Körner und Marcel Charpentier - erschossen. Sie haben sich dem Zwangsdienst in der Wehrmacht entzogen und im Untergrund französischen Freiheitskämpfern angeschlossen. Als man sie fasst, werden sie zunächst zum Tode verurteilt, die Strafe dann in lebenslängliche Haft umgewandelt. Sie kommen nach Siegburg, ein europaweites Zentrum politischer Inhaftierung.
Am 20. Juli 1944, dem Tag des Hitlerattentats in der ostpreußischen Wolfsschanze, gibt es auch in Luxemburg einen Anschlag, bei dem ein NS-Statthalter getötet wird. Aus Rache sollen die Köpfe rollen von Luxemburgern, derer man habhaft ist, darunter die drei in Siegburg einsitzenden.
Kommenden Sonntag, 31. August, wird Bürgermeister Stefan Rosemann um 14.30 Uhr eine Ansprache am Ort der Exekution halten und einen Kranz niederlegen. Die zum Stadtfest angereiste Besatzung des Patenboots aus Kiel und Mitglieder des Wachbataillons aus Berlin nehmen teil, in den letzten Jahren sandte auch die Reservistenkameradschaft eine Abordnung. Die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen!
Bitte am Kanuclub Delphin an der Aggerbrücke Richtung Troisdorf (B8) parken und die 250 Meter aggeraufwärts laufen.
Foto: 2024 verbeugten sich auch die Oberhäupter der Partnerstädte Boleslawiec und Nogent-sur-Marne, Piotr Roman und Jacques Martin, vorne rechts, vor den Toten. Neben Martin sein Stellvertreter Bernard Rasquin, daneben Stefan Rosemann.