26.03.2020

Brücke verband Opernstar und Ehrenbürger

An Ilse Hollweg denkt, wer über den Mühlengraben wandelt

Siegburg. Der Weg zur Ilse-Hollweg-Brücke über den Mühlengraben ist wieder frei, den Spaziergänger führen nagelneue Geländer.

So unsere Meldung in dieser Woche, nach der wir feststellten: In Sachen Ilse Hollweg gibt es bei manchem Siegburger Nachholbedarf. Wir sind gern Ihr Wissenslieferant und bedienen uns der Ausführungen von Hans-Josef Bargon. Der Vorsitzende der Chorgemeinschaft Germania referierte 2015 über die Kolatursopranistin, die der Mühlengrabenbrücke und einer Straße in Kaldauen den Namen gab:

"Geboren wurde sie 1922 in Solingen. Nach dem Umzug der Familie nach Siegburg in die Alte Lohmarer Straße besuchte sie die Ev. Volksschule Humperdinckstraße, wo sie als Siebenjährige von ihrem Lehrer Herrn Pöttgen gefördert wurde. Zeitlebens fühlte sie sich als waschechte Siegburgerin: "Siegburg ist meine Stadt geworden, hier leben die Menschen, die für meine musikalische Laufbahn mitbestimmend waren.' Mit acht Jahren erhielt sie Klavierunterricht bei Elise Euler. Mit 16 Jahren unterzog sie sich einer Aufnahmeprüfung an der Kölner Musikhochschule, wo sie das Prüfungskomitee so begeisterte, dass sie entgegen der Bestimmungen vorzeitig einen Studienplatz erhielt und dort die jüngste Studentin war. 1942 legte sie in den Fächern Gesang und Klavier ihr Examen mit Auszeichnung ab und begann ihre künstlerische Laufbahn am Theater in Saarbrücken. Als während des Krieges die Theater geschlossen wurden, brauchte sie nicht in der Fabrik zu arbeiten, weil Siegburgs Stadtdirektor Schmitz dafür sorgte, dass sie im Wirtschaftsamt Lebensmittelkarten ausgeben durfte. 1946 wurde sie an die Oper Düsseldorf verpflichtet: eine große Karriere nahm ihren Lauf. Sie war nun in den bekanntesten Konzertsälen der Welt zu Gast, sie sang in der Mailänder Scala, in Bayreuth, in Rom und Barcelona, bei den Edinburgher Festspielen und im Covent Garden (wo ihr Königin Elisabeth von England persönlich gratulierte) sowie in der Albert Hall in London. Im südenglischen Glyndebourne sang sie bei den weltberühmten Mozartfestspielen vom 6. bis 23. Juli 1950 in der Mozart-Oper 'Die Entführung aus dem Serail'. Trotz dieser Bilderbuchkarriere verlor sie nicht den Boden unter den Füßen. Mehrmals trat sie in Siegburg auf die Bühne, so auch am 3. April 1949, wo sie der umjubelte Star bei einem Konzert der Germania im Driescher Hof war. Ihr Motto war 'Ich singe nicht, um zu leben, ich lebe, um zu singen'. Im September 1989 war für 'Madame Silberklang' ein Abschiedskonzert in Wien vorgesehen, doch dazu kam es nicht mehr: An den Spätfolgen einer Lungenentzündung verstarb sie am 9. Februar 1990 in Solingen. Ihre letzte Ruhe fand sie jedoch auf dem Nordfriedhof in Siegburg, in der Stadt, die sie als ihre Heimat bezeichnete und die sie 1964 mit dem Silbernen Ehrenschild auszeichnete." Der Stadtrat benannte die Kaldauer Straße 1998 nach ihr. Die Taufe der Brücke an der Siegfeldstraße erfolgte 1997 anlässlich des 75. Geburtstags des Unternehmens und Ehrenbürgers Hans Alfred Keller. Ilse Hollweg war eine Jugendfreundin Kellers. Die Brücke war ihr täglicher Treffpunkt, von hier aus gingen sie zur Schule.


26.03.2020 - Ilse Hollweg

Ilse Hollweg