vom 12.07.2022

Vom Kran zur Kohle

Hier war früher ein Abenteuerspielplatz

Siegburg. Ein hoher Kran, eine tiefe Baugrube. Die Arbeiten am Wohn- und Geschäftshaus mit 17 Einheiten auf der Zanger Seite des ICE-Bahnhofes schreiten voran. Das entstehende Gebäude erhält eine Dreiecksform. Im Untergeschoss wird die neue Siegburger Fahrradstation eingerichtet, als Zusatz zum bestehenden Radparkplatz unterhalb des Hotels auf der anderen Bahnhofseite, nicht als Ersatz, wie gestern in der Tagespresse zu lesen war. Der neue Ort zur Radbewahrung ist ausgestattet mit Boxen zum Ein- und Bügeln zum Anschließen. Der Pedalritter findet Werkzeug und Luftpumpe für die schnelle Eigenreparatur vor. 

Beheizt wird das Haus mit Erdwärme, wofür tief in den Untergrund gebohrt wird. Dabei stießen die Ausführenden auf eine Kohlehalde - ein Zeugnis der Vergangenheit. 

Die gesamte erste Hälfte des 20. Jahrhunderts werden hier Güter umgeschlagen, von der Schmalspurbahn, die sich der Kreisstadt vom Bröltal her näherte, auf die Staatsbahn. 1923 ist der Güterbahnhof Schauplatz des Ruhrkampfes. Maßgebliche Stellen der deutschen Verwaltung verweigern oder sabotieren die Zusammenarbeit mit der ihnen übergeordneten französischen Besatzungsmacht, die nach dem Ersten Weltkrieg im Rheinland das Sagen hat. Am 18. Mai 1923 werden der Staatsbahnhof und der Güterbahnhof besetzt und für die deutsche Bevölkerung gesperrt, beide Bahnhöfe durch die französische Militärbehörde gesichert. Den Deutschen obliegt die Bewachung des Materials und der Eisenbahngleise. Polizeibetriebsassistent Wilhelm Kreutzer steckt man in ein Bonner Gefängnis, weil er zugelassen haben soll, dass der Eitorfer Kaufmann Heinrich Miebach in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai einen Waggon leerte. Eitorf liegt außerhalb des besetzten Gebiets. 

Rollen wir auf der Zeitschiene 30 Jahre weiter. Bis in die frühen 1960er-Jahre hinein ragen am Güterbahnhof die Kohlenberge in den Himmel. Jedenfalls sind es Berge für Jürgen Spengler und Ralf Reudenbach, Zanger Pänz, die ihren Abenteuerspielplatz genau an der Stelle haben, wo heute das Fundament gegossen wird. Ein Verbotsschild mit der Aufschrift "Eltern haften für ihre Kinder" sorgt für Magengrummeln beim Betreten der Fläche und die bange Frage: Muss Vati in den Knast, wenn sie mich erwischen? 

Großes Foto: Arbeiter in der Baugrube heute Morgen. Kleines Foto: Berge unbestimmbaren Materials am Bröltalbahnhof im Jahre 1915.

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