vom 26.11.2021

HUNGER, HUNGER, HUNGER

Verurteilung wegen Verzweiflungstat vor 75 Jahren

Siegburg. Zerstörung, Kälte, Lebensmittelknappheit. Der Winter 1946/47 ist allen, die ihn er- und überlebt haben, lebhaft in Erinnerung. In der Nacht vom 29. auf den 30. November 1946 greifen Karl Benghaus, Wilhelm Böttner und Karlheinz Nettekoven zu Farbeimer und Pinsel. In dicken Buchstaben schreiben sie zwölfmal das Wort HUNGER an Siegburger Hauswände, verleihen dem kollektiven Magenknurren ihrer darbenden Mitbürger Ausdruck. 

Man kommt ihnen auf die Schliche. Am 7. Januar 1947 stehen sie vor dem Gericht der britischen Militärregierung. Richter Hayes ist der festen Ansicht, dass die Handlung nicht zu tolerieren ist. Jedem vernünftigen Menschen sei klar, so Hayes, dass dieses Wort zu Unruhen führen und fürchterliche Maßnahmen der Unruhebekämpfung nach sich ziehen müsse. Um Nachahmer abzuschrecken, werden die Angeklagten zu sechsmonatiger Gefängnishaft verurteilt. 

Der Hunger bleibt ein treuer Begleiter der Siegburger Bevölkerung. Im November 1947 sehen sich die Mitglieder des Siegburger Stadtrats gezwungen, in die Dürener Gegend zu fahren. Sie klingeln bei den Landwirten, fragen nach Kartoffeln. Die dramatischen Umstände machen aus den Volksvertretern Bettler. Erst im Laufe des Jahres 1948 bessert sich die Lage grundlegend. Der Kalorienverbrauch, das ist in den Akten des Landratsamtes penibel festgehalten, steigt von durchschnittlich 1.400 auf 1.800 Kalorien pro Tag.

Foto: Die Gebäudeschäden durch Bomben und Artillerie sind 1946 noch nicht behoben. 

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