vom 09.10.2021

Wundersame Wandlungen in Waldbröl

Früher Blut und Boden, heute Buddhismus

Siegburg. Nazistätten in der Region besuchte der Geschichtsverein in der vergangenen Woche. Nach dem Abstieg vom Thingplatz in Windeck-Herchen (wir berichteten gestern) steuerte man das Buddhistische Zentrum in Waldbröl an. Das Großgebäude war Pflege- und Heilanstalt psychisch Kranker und geistig Behinderter, ehe die Nationalsozialisten ein "Kraft-durch-Freude-Hotel" mit eigener architektonischer Formensprache errichteten. Die 700 Bewohner der Heilanstalt wurden in andere Einrichtungen verfrachtet, fielen später dem Euthanasie-Programm zum Opfer.

Das NS-Ressort sollte luxuriösen Urlaub für alle möglich machen. Im Vordergrund stand nicht die Regeneration, sondern die Indoktrinierung. Metergroße Mosaike zeigen ideologische Idealvorstellungen: muskulöser Mann zähmt Pferd, blondes Bauernpaar beackert Feld - ein Ariernachweis in tausend Steinen, ein zusammengesetztes Bild von "Blut und Boden". Selbst im Krieg durfte an der monumentalen Herberge weitergebaut werden. In Betrieb ging sie nie. Mit einigem Sarkasmus kann man sagen: In der finalen Phase des Weltengemetzels diente das Objekt als Lazarett wirklich der Erholung ...

Seit mehr als einer Dekade halten buddhistische Mönche und Nonnen das Haus in ihrem Besitz. Die Kuttenträger beten und meditieren gegen den Ungeist an, der in den Mauern wohnte. Feinfühlige meinen, es laufe sich jetzt tatsächlich leichter über den toskanischen Marmor. Für die ermordeten Behinderten installierten die neuen Eigentümer einen Wald aus Stoffherzen. Stille und Kontemplation beherrschen die langen Gänge. Gestresste Besucher aus Köln und Bonn reisen zum Wanderwochenende oder zu Achtsamkeitsseminaren an. Gesprochen wird selten, absolute Innerlichkeit ist gefragt. Verkehrssprache der Schwestern und Brüder, so die Schilderung von Phap Xa, einem Niederländer mit ostasiatischer Sozialisierung, sei Vietnamesisch. Mit den Besuchern spreche man selbstverständlich Deutsch.

Vor dem Haus schlägt die Gemeinschaft jeden Morgen die schwere Glocke am 20 Meter hohen Turm, der Stupa. Ein heiliges Ritual, ein buddhistischer Gottesdienst. Die Steine, aus denen der Turm besteht, wurden ebenfalls von den selbsternannten Herrenmenschen hinterlassen. Sie waren herbeischafft, aber nicht mehr verbaut worden.

Wer sich weitergehend informieren möchte, liest den Artikel "Was vom Dritten Reich übrigblieb", geschrieben von Dr. Elisabeth Knauer für die aktuellen Heimatblätter des Geschichtsvereins. Interessenten melden sich bitte unter gav@siegburg.de.

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