vom 23.02.2021

Es geht für mich um die Musik

Lisa Shklyaver lehrt Mozarts Lieblingsinstrument

Siegburg. Sie ist ein frisches Gesicht an der Engelbert-Humperdinck-Musikschule - und sie möchte frischen Wind in die Lehrräume des ehemaligen Gymnasiums bringen. Dieser stammt für sie bevorzugt aus einer Klarinette.

Lisa Shklyaver spielt das Blasinstrument seit ihrem zwölften Lebensjahr. Ihr Großvater, Joseph, ist Soloklarinettist im Orchester seiner Heimatstadt Chabarowsk im Osten Russlands, unweit der Grenze zur Volksrepublik China. "Probier es mal aus!", schlägt er seiner Enkeltochter, die zu diesem Zeitpunkt seit sieben Jahren von ihren Vater Igor Klavierunterricht erhält, vor. Das Mädchen ist sofort von dem Instrument begeistert. Bis heute schwärmt sie, mittlerweile 36 Jahre alt, von dem großen Tonumfang ("Dreieinhalb Oktaven und mehr - kein anderes Holzblasinstrument schafft so viele"), dem guten Klang in allen Registern, der Bandbreite der Klangfarben ("von melancholisch bis fröhlich") und den enormen dynamischen Unterschieden, von Pianissimo bis Fortissimo. "Man hört sie im Symphonieorchester, beim Klezmer, im Jazz - und manchmal auch in der Kammermusik". 

Shklyaver studiert Klarinette zunächst am anderen Ende ihres Vaterlandes, in St. Petersburg, dann, ab 2006, in Karlsruhe. Sie spielt mit dem Göttinger Barockorchester, dem Anima Eterna Brügge und dem Concerto Classico Frankfurt, tritt als Solistin oder mit kleinen Kammerorchestern bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci, den Kulturwald-Festspielen Bayerischer Wald und dem Festival Internacional Cervantino im mexikanischen Guanajuato auf, steht auf den Bühnen der Kölner Philharmonie, der Operá de Dijon und des Opera House in Sydney. "Doch für mich spielt es keine Rolle, ob ich vor zehn, 100 oder 1.000 Menschen auftrete. Es geht für mich um die Musik." Eine ganz besondere, wenn auch "keine einfache" Erfahrung ist der Auftritt in der Elbphilharmonie. "Der Saal erlaubt alles, verzeiht aber nichts. Die kleinste Unpräzision wird von 2.000 Menschen gehört."

"Ich kann mir ein Leben ohne Reisen, ohne Auftritte, nicht mehr vorstellen. Aber ich brauche auch eine gewisse Stabilität. Und ich finde es wichtig, mein Wissen und meine Erfahrung weiterzugeben." So ist es für sie ein Glücksfall, als die Bonner Galleristin Gabriele Paqué, bei der sie ebenfalls Konzerte spielt, den Kontakt zu Hans-Peter Herkenhöhner, Leiter der Siegburger Musikschule, herstellt. "Wir waren gerade auf der Suche nach einem neuen Klarinettenlehrer", erzählt dieser. Doch zunächst unterrichtet Shklyaver, die auch das Saxophon beherrscht, mangels Klarinettistennachwuchs Blockflöte. "Das ist ein sehr guter Einstieg für kleine Kinder in Holz- und Blechblasinstrumente", wie sie findet. "Aber nicht nötig. Klarinette kann man lernen, sobald man Zähne hat", fügt sie lachend hinzu. Ihre jüngsten Schüler haben mit fünf Jahren begonnen, der älteste war "über 50".

Es fesselt, Shklyaver zuzuhören, wenn sie von der ausgestorbenen Klarinette d’Amore berichtet, von Wolfgang Amadeus Mozart, der für seinen Freund Anton Stadler ein Konzert auf seinem (und ihrem) Lieblingsinstrument erschafft, und von Johannes Brahms, der, obwohl er seine Komponistenkarriere bereits für beendet erklärt hat, zwei Sonaten, ein Trio und ein Quintett für den Klarinettisten Richard Mühlfeld schreibt, nachdem er dessen Spiel in der Meininger Hofkapelle entdeckte. Aber hören Sie ihr doch selber zu, indem Sie auf den Link klicken, wenn auch zunächst einmal "nur" musikalisch!

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