vom 29.11.2020

Von Siegburg ins Herz geschlossen

"Mocca-Martin" ist leidenschaftlicher Gastgeber

Siegburg. Es muss nicht immer Glühwein sein. Das beweist Martin Rath, vielen nur bekannt als "Mocca-Martin", seit drei Jahrzehnten auf dem Mittelalterlichen Markt zur Weihnachtszeit.

Drei Jahrzehnte, "das sind fast drei Jahre meines Lebens", meint Rath. Gerne denkt er an seinen Premierenbesuch in Siegburg zurück: "Der erste Marktaufbau war damals nur für ein Wochenende. Eine mutige Idee der Stadt Siegburg und der Kumpaney Kramer Zunft und Kurtzweyl. Ein Testlauf, um herauszufinden, ob ein Mittelaltermarkt zur Weihnachtszeit überhaupt gegen die großen Weihnachtsmärkte im Umkreis bestehen kann. Schnell wurde der Siegburger Weihnachtsmarkt zum Publikumsmagnet. Was im ersten Jahr so manchem noch ein leises Schmunzeln auf die Lippen lockte, ist nun schon seit vielen Jahren Realität. Ein mehrwöchiger mittelalterlicher Weihnachtsmarkt, der aufgrund seiner besonderen Atmosphäre, dem Zusammenspiel von Händlern, Handwerkern, Künstlern und der Stadt Siegburg seit 30 Jahren nicht nur bestehen kann, sondern in seiner Einzigartigkeit heraussteht."

Einzigartig ist auch das, was Rath auf dem Markt geschaffen hat. Der "leidenschaftliche Gastgeber", als der er sich beschreibt, baut eine eigene kleine Zeltstadt mit einer ganz besonderen Wohlfühlatmosphäre auf. Im Kerzenschein genießen seine Gäste Mocca- und Teespezialitäten, dazu internationales Gebäck mit Namen wie Engelszunge, Vogelnest oder Dattelfinger. Darunter Klassiker: "'Oh schau mal, ein Trampeltier. Das hat die Omi der Mama früher auch immer gekauft', höre ich immer häufiger während des Weihnachtsmarktes. Da wird einem nicht nur schlagartig das eigene Alter bewusst, sondern auch, dass es in der Kundschaft zu einem Generationenwechsel gekommen ist. Es liegt nun in unseren Händen, auch die nächste Generation von der Idee des mittelalterlichen Weihnachtsmarktes zu begeistern", blickt "Mocca-Martin" in die Zukunft.

Die Adventswochen sind für ihn jedes Jahr etwas ganz Besonderes. "Die ersten Anwohner winken bereits aus den Fenstern, wenn sie sehen, dass wir mit dem LKW durch die Stadt fahren. Während des Aufbaus kommen unzählige Menschen vorbei, die uns begrüßen möchten. Viele liebgewonnene Gesichter, Freunde, mit denen man nun wieder reden, spaßen, lachen kann. Man ist hier nicht nur anonymer Gast für eine gewisse Zeit, man wird zu einem Teil der Stadt. Mit Siegburg ist es wie mit einer guten Freundschaft, man macht an dem Punkt weiter, an dem man letztes Jahr aufgehört hat, so als hätte es die Zeit dazwischen nie gegeben. Für mich ist dieses Phänomen nicht alleine durch die berühmte rheinische Art erklärbar, wir spüren jedes Jahr aufs Neue, das wir von Siegburg ins Herz geschlossen wurden. Ein Gefühl, dass auf Gegenseitigkeit beruht."

Mocca Martin