vom 17.11.2020

Klage gegen Vandalismus und Verdreckung

Gesellschaftliche Talfahrten auf dem Michaelsberg

Siegburg. Clemens Esser hat den Brunnen vor der Villa Hammerschmidt saniert. Der Spielplatz Weilerfeld, in seiner Rheinbacher Heimat gelegen und von ihm entworfen, glänzt mit Zentralspielturm, Baumhaus, Wasseranlage, BMX-Kurs und einem grünen Basketballplatz.

Bei allen Dingen, die der vielbeschäftigte Landschaftsarchitekt anfasst und umsetzt, geht es um eine Philosophie, um das perfekte Zusammenspiel von Mensch und Umwelt. Wer ihn auf dem Siegburger Michaelsberg erlebt, mittendrin in dem Projekt, das ihn seit Jahren umtreibt, der spürt, dass sein Tun für ihn mehr ist als Arbeit. Auf welchen Pfaden marschierte Psychiatrie-Pionier Jacobi mit seinen "armen Irren"? Warum vermehrt sich der Pilz im Bergahorn? Welche Staude lockt die Hummel, welches Gerät auf dem Fitnessparcours eher die Frau, welches den Mann? Esser antwortet, verknüpft Klimawandel mit Botanik, schlägt historische Haken, ist mal Sportwissenschaftler und mal Soziologe.

Richtig gelesen, die Wissenschaft von der Gesellschaft und damit auch im Wortsinne "asoziale" Verhaltensweisen sind es, die Esser studieren muss, die ihn auf die Arecacea, wie die Palme im Lateinischen heißt, bringen. Linden, frisch gepflanzt und mit einer speziellen Sonnencreme gegen die neuen Supersommer eingeschmiert, werden mutwillig gekappt. Baumdiebstähle hat es gegeben, ein beträchtliches Stück Zaun am Bergstraßenspielplatz verschwand über Nacht. Das attraktive Holzmobiliar trägt nur wenige Wochen nach der Aufstellung sinnlose Graffiti-Züge. Unmengen an Hundekot behindern den Wegebau und die Unterhaltung der Grünflächen. Die Halter schicken ihre Vierbeiner fürs große Geschäft ungeniert hinter Baustellenabsperrungen. Esser: "Oder ins Unterholz, zu bodenbrütenden Vogelarten. Da haben Hunde überhaupt nichts verloren." Die Ausscheidungen sind ekelhaft und teuer, jedenfalls dann, wenn der Sch... Maschinen schädigt. Esser kommt in Rage, wenn er vom alltäglichen Ungemach spricht, das seinen Leuten am Berg begegnet. Die Lust an der Aufgabe, den Hügel für die Siegburger in ein Paradies der Naherholung zu verwandeln, hat er nicht verloren. Seine Hoffnung: Ein bevölkerter Berg und die automatisch erfolgende Disziplinierung der Unvernünftigen durch die Vernünftigen. "Ich setze darauf, dass die 95 Prozent, die den Ort zu schätzen wissen, die 5 Prozent, die dies nicht tun, abschrecken."

Foto: Gummimatten laden zum Yoga oder anderen Fitness-Übungen ein. Wie lange bleiben sie unbeschmutzt?

Yogamatten - Michaelsberg