vom 18.09.2020

Auf der Suche nach dem Frieden

Sprechen und schweigen über etwas, was es nicht gibt

Siegburg. "Über den Frieden sprechen, das heißt, über etwas zu sprechen, was es nicht gibt." Mit diesen Worten begann Astrid Lindgren im Jahr 1978 ihre Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Die Aussage lebt in der Produktion "Wollt ihr den totalen Frieden", die derzeit am Theater Tollhaus einstudiert wird, neu auf. In der Inszenierung spricht man nicht nur, in pantomimischen Bildern und Erzählungen schweigt man auch über das "Etwas, was es nicht gibt".

Unter der Leitung von Julie Fees haben sich neun junge Darsteller zwischen zwölf und 24 Jahren seit Jahresbeginn mit dem Frieden auseinandergesetzt, Improvisationen zu bekannten und selbstgeschriebenen Texten perfektioniert, einzelne Szenen miteinander verbunden. Geplant war eine Aufführung anlässlich des 75. Jahrestags des Kriegsendes in der Europawoche Anfang Mai. Doch nach sechs Proben kam der Shutdown, seitdem konnte zweimal vor und zweimal seit den Sommerferien weitergearbeitet werden. "Wir brauchen noch etwa sechs Wochen bis zur Fertigstellung", zeigt sich Fees optimistisch. Doch die Premiere ist erst für den Sommer 2021 geplant. "Von zwölf Szenen können wir derzeit nur sieben aufführen. Die anderen leben von einer starken Mimik - das ist mit Maske nicht spielbar." Sofern möglich, werden aber auch frühere Aufführungstermine ins Auge gefasst.

Den Zuschauer erwartet keine durchgängige Erzählung, sondern einzelne Sequenzen, die sich mit verschiedenen Aspekten des Friedens auseinandersetzen. Da ist der innere Friede, der beim Einpflanzen einer Topfblume gesucht, aber erst mit der übermäßigen Einnahme von Schlaftabletten gefunden wird. Das Ensemble begibt sich auf die Suche nach dem Frieden, Lösungsansätze regnen als Samen über dem Publikum nieder. Und immer wieder wird die Frage gestellt, ob der "totale Friede" gewünscht sei: Zunächst den Darstellern, die erst verhalten zustimmen, dann mit Gegenfragen - "Was kostet das?", "Wofür ist er überhaupt gut?" - antworten. Schließlich, laut herausgeschrien, dem Publikum.

Es ist eine Produktion, die zum Nachdenken anregt über etwas, das wir als ganz alltäglich empfinden - aber eigentlich, die Schauspieler machen es deutlich, komplett außergewöhnlich ist. Man darf sich jedenfalls auf die offizielle Premiere des kompletten Stücks freuen.

Theater Tollhaus

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