vom 05.06.2020

Auf Die Deutschen hat er nie geschimpft

Der Lebensweg von Frerik Greefkes nach der Haft in Siegburg

Siegburg. Weil er in Amsterdam am Generalstreik beteiligt war, der sich gegen die deutschen Besatzer richtete, zudem mit führenden Köpfen des kommunistischen Widerstands in Verbindung stand, wird Frerik Greefkes, genannt "Frits", im September 1942 zum Tode verurteilt. Später erfolgt die Umwandlung in eine 15-jährige Haftstrafe, die er in Siegburg absitzen muss. 

Was geschieht, als der mutige Mann, Jahrgang 1915, im Gefängnis an der Luisenstraße eintrifft? Wie verläuft sein Leben nach dem Krieg? Sein Sohn Anton berichtete unlängst in diversen E-Mails dem Siegburger Stadtarchiv. Leonard van Wingerden, ein niederländischer Mitarbeiter aus dem Amt für Immobilienmanagement, übersetzte.

Der Tag ist nicht überliefert, an dem Frits Greefkes in Siegburg ankommt. Gesichert ist, dass er in einem der Gefängnisbetriebe, in der Schneiderei, arbeitet, die Uniformen des Feindes flickt. Als die Amerikaner am 12. April 1945 die Anstalt übernehmen, ist er gezeichnet von der zweieinhalbjährigen Haft, leidet unter Fleckfieber und Tuberkulose.

Er kehrt nach Holland zurück, sieht seine Lieben wieder, verdient im erlernten Malerberuf sein Geld. Eigentlich ist aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit ein einjähriger Sanatoriumsaufenthalt vorgesehen. Seine Frau jedoch möchte nach insgesamt drei Jahren der Trennung nicht noch einmal auf den Mann verzichten.

Wohl auch, weil es besser für die Konstitution des Familienoberhaupts ist, ziehen die Greefkes aus der Stadt in die waldreiche Gegend von Ede, zwischen Amersfoort und Arnheim gelegen. Anton, der auf unserem Foto aus dem Jahr 1947 auf dem Schoß der Mutter sitzt, wird geboren.

Frerik Greefkes hat nach dem Krieg vor allem über die spannenden und positiven Erfahrungen der Widerstandsarbeit in der frühen Kriegszeit gesprochen, weniger über die Gefangenschaft in Siegburg. Sein Sohn meint zurückblickend: "In ihm war keine Verbitterung. Er hat nach dem Krieg immer betont, dass er gegen den Faschismus gekämpft hat, nicht gegen Deutsche im Allgemeinen. Auf 'Die Deutschen' hat er nie geschimpft."

Interessant ist die politische Wendung, die er nach 1945 vollzieht. Er kehrt dem Kommunismus den Rücken, bekennt sich zum christlichen Glauben. Anton Greefkes: "Für seine einstigen Weggefährten war das ein Schock."

Ganz offen spricht der Sohn über die Spätfolgen der Kriegserlebnisse hinter Gittern, mit denen es sein Vater irgendwann zu tun bekommt. "Im höheren Alter haben ihn die Erfahrungen der Gefangenschaft immer mehr belastet. Diese Belastung wurde so groß, dass er seine Arbeit aufgeben musste und nicht mehr im Stande war, für die Familie zu sorgen." Ab Ende der 1970er Jahre bezieht Greefkes eine Kriegsrente. Er stirbt 1993.

Greefkes

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